Start der Togoreise 2016

Ein Reisebericht von Silvia Schmid

 

Abflug in Stuttgart am 18.11.2016

Unser Transport von Biberach zum Flughafen verläuft problemlos, aber nur deshalb, weil der Fahrer vorausschauend den Weg über die Alb über die Bundesstraße wählt. Die A8 ist an diesem Tag wegen Unfall gesperrt.
In Paris kommen wir mal wieder in einem der abgelegendsten Winkel vom Flughafen Charles-de-Gaulle an und müssen den Bus zum Terminal für den Anschlußflug nach Lomé nehmen. Zwischen den Flügen ist genügend Zeit für einen kleinen Bummel. Zum Mittagessen am Terminal gibt es nur die Wahl zwischen zwei Extremen – entweder ein überteuertes Pappe-Fertig-Sandwich oder den Beluga-Kaviar vom VIP-Schnellimbiss für 1.800 Euro. Wir reisen in eines der ärmsten Länder der Erde - was für ein Widerspruch. Wir wählen keines von beidem – eine Tüte Kartoffel-Chips muß reichen.  
Der AirFrance Flug geht mit einer kleinen Verspätung aufgrund des Fönsturms los. Das Essen an Bord ist diesmal recht gut. Bis auf ungefähr 10 Minuten holt die Maschine die Verspätung wieder ein. Wir kommen am neuen Flughafen-Terminal an. Die Passkontrolle dauert noch immer ziemlich lange. Mit den neuen elektronischen biometrischen Scannern haben die Kontrolleure bei der Einreise noch ein wenig Bedienungs-schwierigkeiten.
Beim Zoll haben wir Glück, keiner öffnet unsere Koffer und bedient sich am Inhalt. Aimé, unser Koordinator holt uns mit seinem Auto "Brilli" und mit einem Taxi ab. Uschi und Michael empfangen uns vor dem Seemannsheim. Im Seemannsheim wieder die alten Gesichter – fast ein Stückchen wie wenn man heim kommt.


19.11.2016

Früh aufstehen – um 7:00 Uhr brechen wir zum Radio auf. Wir sind Live auf Sendung bei den Studenten, die die Sendnung „L’Allemand pour la Radio“ machen. Soke, Sefa, Egbatao und Herbert gestalten die Sendung. Für Togo-Hilfe gibt es eine Sondersendung – eine „Emission special“. Es wird über das Motto von Togo-Hilfe e.V. gesprochen – „Hilfe zur Selbsthilfe“. Jeder von uns muß sich vorstellen und ein paar Worte sagen. In der Rubrik Deutsch für Fortgeschrittene lesen wir das Märchen „die Bremer Stadtmusikanten“ vor. Während der Sendung werden Deutsche Schlager gespielt. Aktuelle Titel wie „die Welt retten“ aber auch so uralte Sachen, dass sie vor unserer Zeit in der Hitparade waren, sind im Programm.
Mit Aimés Auto "Brilli" fahren wir zum Radiosender und dann auch wieder zurück. Jetzt bei Tageslicht sehen wir mal, wie "Brilli" wirklich aussieht. Die Radkappen hat Aimé mit Kabelbindern befestigt, damit er ja auch keine verliert. Im Seemannsheim wird heute eine große Hochzeit gefeiert. Wir haben den Bungalow Nr 5. In diesem Jahr rieselt kein Sägmehl von der Zimmerdecke – die wurde neu gestrichen. Die Hochzeitsgäste haben es sich auf unserer Türschwelle bequem gemacht. An diesem Tag sehen wir noch ein paar unserer Patenkinder. Pelagie, Simon, Mawulolo, Elom, Reine, Nelson, Marie-Jose, Angèle, Jean-Claude und Kekeli kommen nach und nach ins Seemannsheim. Seli begleitet uns bei den Gesprächen mit den Kindern und den Eltern. Am Abend essen wir im Altmünchen. Dort wurde im Außenbereich ein Pizza-Ofen installiert. Die Pizza ist richtig klasse – hauchdünner knuspriger Boden und ordentlicher Belag. Gegen 22:00 Uhr klingt die Hochzeitsfeier aus. Bis auf ein paar störende Moskitos haben wir eine ruhige aber heiße Nacht.


20.11.2016

Sonntag – schwülheiß ist es in Lomé. Wir sind froh, wenn es in Richtung Kpalimé geht – dort ist das Klima viel angenehmer. Heute besuchen wir Patenkinder zuhause. Marcel, Marie Christine und Hezouwé werden der Reihe nach besucht. Es ist immer wieder sehr bewegend die Familien zuhause zu besuchen. Marie’s Mutter mußte umziehen, da der Besitzer den Mietern gekündigt hatte. Zur Überbrückung lebt die Familie in einem Raum des Hauses vom Vater ihrer kleinen Tochter Filberta, aber sie hat schon eine neue Wohnung gefunden. Unser Fahrer Nouhoum Salifou fährt uns mit dem selben gemieteten nicht-klimatisierten Kleinbus, in dem wir uns in den vergangenen Jahren auf den langen Reisen durch Togo, Ghana und Benin schon den Popo wundgesessen hatten. Ganz stolz zeigt er uns seine neue Frontscheibe – die alte war gerissen und es ist hier keine Selbst-verständlichkeit, dass die deswegen ausgetauscht wird. Wir bewundern die Scheibe und geben durch Handzeichen unsere Anerkennung zum Ausdruck. Auf der Fahrt zu den Patenkindern erleben wir, wie Lomé sich verändert. Neue breite mehrspurige Strassen ziehen breite Schneissen mit Parkplätzen und schmalen Grünstreifen durch die Stadt. Die Grünstreifen sind jedoch nur solange grün, wie sie bewässert werden. Der Verkehr ist dort viel zu schnell. Wo sich vorher die Händler dicht an dicht gedrängelt hatten und reges Leben auf der Strasse stattfand, rasen nun Autos dahin. Keine Buden mehr am Strassenrand – keine Lastenträger, keine Fußgänger. Es gibt nur wenig Fußgängerüberwege. Die Menschen werden in ihre Quartiers – in ihre Viertel gedrängt. Der Vorteil dieser Straßen ist jedoch, dass man plötzlich die Möglichkeit hat, schnell von einem Ende der Stadt zum anderen zu gelangen, zumindest solange sie noch nicht in der Menge des Verkehrs zu ersticken droht, wie dies z.B. in Ghanas Hauptstadt Accra nach und nach passiert.


21.11.2016

Montag – Endlich fahren wir nach Kpalimé und verlassen das heiße Lomé. Der Harmattan – der heiße Wind aus der Sahara- hat schon begonnen. Unterwegs sehen wir den Staub in der Luft – alles ist sandig und staubig und heiß. In den nächsten Wochen wird das noch zunehmen. Auf dem Weg von Lomé in Richtung Kpalimé machen wir Halt beim afrikanischen omnitherapeutischen Zentrum. Das Zentrum wurde von Ärzten gegründet und möchte einen interdisziplinären Rahmen zwischen der modernen und der traditionellen Medizin schaffen. Hygiene und Gesundheit sind das größte Problem der Bevölkerung in Westafrika. Das Zentrum ist von der Regierung anerkannt. Auch Togo-Hilfe e.V. hat mit Themen wie Brunnenbau, Wasserturm, Zahnstation usw. bereits Projekte in Sachen Hygiene und Gesundheit durchgeführt. Nach einem kurzen Gedanken-austausch und der Versicherung, dass wir im nächsten Jahr wieder-kommen, setzen wir unsere Reise fort.
Am Nachmittag besuchen wir Patenkinder zuhause – Anita, Azia und Julie. Michael besucht Thomas Krahl in Agbetiko. Mit einem einfachen Abendessen im Hotel Le Geyser klingt der Tag aus.