Togohilfe-Reisebericht: Teil 3

Erlebnisse und Begegnungen, spontan von Stefan Raetz notiert.

 

Freitag, den 25. November 2016

7.30 Uhr Frühstück und Koffer zum Bus. 8.30 Uhr Abfahrt. Es hat alles geklappt. Auch das Frühstück mit Fruchtteller inkl. Apfel aus Südafrika. Bezahlen - das Zimmer 17,- € - und auf zum dritten Agerto-Ausbildungszentrum in Kéméni bei Sokodé. Messan, der Gründer und Gesamtchef von Agerto, sowie seine hübsche Tochter Christina (24), fahren mit. Christina ist in Nigeria zur Schule gegangen und spricht daher Englisch, aber kein Französisch. Auf der Straße viele LKWs und Motorräder, sowie Schulkinder am Wegesrand - wie überall. Wir kommen auf der gut ausgebauten Straße gut voran. Salifou holt alles aus dem Toyota-Bus raus und düst mit 100 km/h über den Asphalt. Es fühlt sich an wie 160 km/h. In Deutschland zahlt man in Freizeitparks viel Geld für das Erlebnis. Nach einer Stunde sind wir im 75 km entfernten Atakpamé. Über Anié und Sotouboua (ab da wird die Straße wieder was ruckeliger) geht es bis Sokodé. Etwa 250 km liegen hinter uns. Wie immer ist es gefühlt - vor allem am Popo - das Doppelte. Unterwegs durchquerten wir erneut eine fruchtbare Gegend, auch wenn es nördlicher auch mehr trockene Grasflächen und Büsche dazwischen gibt. Immer wieder brennen die Bauern ihre Felder ab. Sieht, vor allem abends, gefährlich aus, funktioniert aber anscheinend. Am Straßenrand viele Lehmhütten und lediglich mit Palmwedeln bedeckte Holzgeflechte. Die Mehrzahl der Behausungen wären für uns unbewohnbar. Meine Bauaufsicht würde ganze Städte stilllegen. Auch die Autos die auf den Straßen fahren. Ich kenne manche Marken nur deshalb, weil ich schon gut über 50 bin. Die Reifen! Die Beladung! Schnell erreicht das Fahrzeug das doppelte Volumen. Mindestens! Naja, es funktioniert - in Afrika! Um 12.30 Uhr  waren wir im Hotel Central in Sokodé angekommen. Alles wie vor 7 Jahren! Der Runde Bungalow 122 ist meiner. Das Putzpersonal war gerade raus. Es roch noch kräftig nach Insektenspray. Ein gutes oder schlechtes Zeichen? Schnell die Bälle aufpumpen und um 14.30 Uhr ab nach Kéméni. Erst 30 Minuten die Straße weiter Richtung Norden, dann 15 Minuten Schotterpiste rechts ab. Zum Teil der nackte Fels als Fahrbahn!

In Kéméni hat Agerto 11 Auszubildende im Bereich Näherinnen, Tischler und Maurer. Das ganze Dorf ist anwesend. Wir werden von den Dorfältesten begrüßt. Sie führen uns vom Bus mit Trommelmusik zum Festplatz.

Das Sofa ist wieder da! Diesmal breche ich aber 2 x durch das Holzbrett. Die Weltbank hat 4 Gebäude für die Ausbildung finanziert. Togo-Hilfe hat die Toiletten, das Duschgebäude und die Dachrinnen mit Erdzisterne gesponsert. Der Imam, wir sind im muslemischen Gebiet, beginnt mit dem Gebet. Der Kantonchef, der König der Dörfer um Kéméni spricht und nennt auch die Wünsche für die Zukunft. Wir werden lange nicht alles erfüllen können.

Weiter geht es mit traditionellen Tänzen und Musik mit Trommeln und Flöten. Es kommen immer mehr Kinder. Die Frauen, leicht verschleiert, bildhübsch, adrett gekleidet, verfolgen die Zeremonie und bereiten das Essen vor. Wichtig!

Rede auf Rede folgt! Michael muss tanzen. Jubel bricht aus. So ein Tanz mit kaputtem Knie hat auch was. Endlich die Zeugnisausgabe. Eine junge Frau, leider heute krank, aber trotzdem da, wird geehrt. Sie ist Taubstumm, 32 Jahre alt, die Eltern sind verstorben, sie lebt bei der 72 Jahre alten Großmutter und hat nur durch zusehen mit einem speziellem Taubstummenlehrer, die Ausbildung zur Näherin geschafft. Ein Moment, den man nicht vergisst. Diese junge Frau hätte ohne die Unterstützung, ohne Eltern in Togo nie eine Chance gehabt. Alle, aber wirklich alle, jubeln. Eine neue Heldin für Afrika!

Wir besichtigen abschließend die Räumlichkeiten von Agerto. Ach ja! Agerto heißt Association Germano - Togolaise. Näherinnen, Tischler und Maurer, sowie den Schultrakt.

Danach die Zisternenanlage, das Duschgebäude und die neue Toiletten-anlage. Der Troß und die Kinder begleiten uns. Die Musik erschallt seit 3 Stunden. Ja, in Afrika wird Zeremonie groß geschrieben. Nach der Besichtigung der Toiletten zum Essen - das passt! Maisklumpen, scharfe Soße, Reis und diesmal doch Hühnchen. Lecker! Ich bin auf die Nacht gespannt! OK, ein Palmschnapps am Abend!

Die Rückfahrt verlief ohne Probleme. Es wurde auf der Hauptstraße dunkel, aber kurz nach 18.00 Uhr waren wir wieder im Hotel Central in Sokodé. Mit Messan übten wir Manöverkritik, denn wir wollen auch gegenüber unseren Förderern mit Gewissheit und Überzeugung um weitere Spenden bitten. Quasi ein Zertifizierungsgespräch. Agerto hat bestanden! Im Restaurant des Hotels - immer noch so seltsam kitschig - aßen wir zu Abend. Die leckere Gemüsepfanne war der Hit! Gregor ist zu uns gestoßen. Unser Guide für die zweite Woche mit dem Aufenthalt in Ghana. Wir sind gespannt. Morgen geht's nach Ghana!