Togohilfe-Reisebericht: Teil 4

Erlebnisse und Begegnungen, spontan von Stefan Raetz notiert.

 

Samstag, den 26.11.2016

Um 9.00 Uhr, nach dem üblichen Frühstück mit vielen Früchten, Weißbrot, mitgebrachtem Schwarzbrot, Marmelade, Rübenkraut (auch mitgebracht!), Butter, Tee, Kaffee und Orangensaft, geht's auf Richtung Ghana. Wir wollen auch was von Togo und den Nachbarländern kulturell aufnehmen. Die Nacht war erholsam, der Magen ruhig - alles ist gut! Um 5.00 Uhr der Muezin, um 6.00 Uhr die Fußballer mit Getöse zum Training - sonst ganz ruhig. Wir tanken in Sokodé. Der Liter Benzin oder Diesel kostet 435 CFA, das sind etwa 0,66 €. Natürlich für hiesige Verhältnisse sehr teuer. Daher gibt es auch überall "freie" Tankstellen. Das ist oft geschmuggelter Sprit aus Nigeria, abgefüllt in Plastik- oder Glasflaschen. Sieht aus wie Urinproben am Straßenrand! Sokodé ist die Stadt der Minarette in Togo. Fest in muslimischer Hand. Wir haben 60 km bis Bassar vor uns. Gregor, er kommt von dort, erzählt über die Geschichte und Kultur der Region. Er spricht gut Deutsch. Salifou besorgt noch Wasser und Eis für die Kühlbox. Der Verbrauch steigt! Durch den Harmattan, den Wüstenwind mit Sand aus dem Norden, ist es immer trocken warm, die Luftfeuchtigkeit hält sich in Grenzen, aber der Himmel nie strahlend blau. So viel Sand in der Luft!

Auffällig sind auch die Satellitenschüsseln. Wollen die damit, weil defekt, Wasser sammeln? Sie sind alle fast senkrecht ausgerichtet. Kein Wunder, denn wir sind ja ganz nah am Äquator. Also alles in Ordnung. Wir kämpfen uns die Serpentinen am Mt. Malfakassa entlang nach Bassar. Die Schlaglöcher nehmen mit jedem Kilometer zu, die Durschnittsgeschwindigkeit nimmt mit jedem Kilometer ab. Es geht durch den Malfakassa-Nationalpark, wo sogar vor Elefanten gewarnt wird. Nur gesehen hat hier bestimmt noch niemand ein lebendes Exemplar. Rinderherden sind gut in den Teakholzbeständen zu erkennen. Viele weiße Rinder!

Unterwegs einige, nein viele Kontrollen der Polizei, aber nicht so viele wie vor Jahren noch. Und es sind wirklich Polizisten und keine Wegezollforderer. Unsere letzte große Stadt in Togo, Bassar, ist die Hochburg des Yams-Anbau. Aus der Wurzel wird das Nationalgericht Fufu gestampft. Im Holzbottig von meistens drei Stampferinnen mit großen Holzstampfern. Eine Kunst! Das sämige, geschmacksneutrale Resultat wird mit der Hand in scharfe Soße getunkt und gegessen. Das Yams-Festival in Bassar mit Feuertanz und Umzügen ist über die Grenzen bekannt. Hinter Bassar, das wir endlich um 11.00 Uhr erreichen, geht die Piste in einen besseren, nein eher schlechteren, Feldweg über. Der Verkehr nimmt auch deutlich ab. Wir werden heftig durchgeschüttelt. Der feine, rote Sand kommt durch jede Ritze in den Innenraum. Um 12.45 Uhr wird das Gerüttel kurz unterbrochen. Wir sind in Natchamba (Togo) und Tatale (Ghana) an der Grenze. Wow, das ging schnell. Neuer Rekord für die Ausreise (10 Minuten) und die Einreise (20 Minuten). Ob das geforderte kleine Bakschisch geholfen hat? Danach geht es bis Yendi leider auf der Rüttelpiste weiter. Der Staub! Um 15.45 Uhr sind wir am Ende der Piste in Yendi angekommen. Der Versuch Geld zu tauschen scheitert. Banken und Wechselstuben haben schon zu. Eigentlich wollten wir uns in Yendi den Königspalast ansehen. Aber die Zeit drängt, denn es hat bis hierher, trotz des nicht eingeplanten Zeitgewinns an der Grenze, viel zu lange gedauert. Wir wollen noch in der kurzen Dämmerung in Tamale im Hotel ankommen.Daher nur ein schnelles  Foto vom Königspalast, ohne Audienz beim König. Leider Fehlanzeige. Das würde uns - ohne einen Besuch - verwehrt, da dies der König nicht wünscht. Na dann! Weiter nach Tamale.

Die Straße ist gut ausgebaut, aber durch zahlreiche Kontrollstellen - mehr als in Togo - und den brutalen Schwellern in den kleinen Ortschaften, die zum Schritttempo zwingen, dauert es doch seine Zeit. Es ist nicht weit ( 100 km von Yendi nach Tamale), aber es zieht sich! Nordghana unterscheidet sich kaum von Nordtogo. Auch hier - erstaunlich - sehr arm, viel Landwirtschaft und Viehzucht. Der Lebensstandard der gleiche - sehr gering! Wir schaffen es nicht ganz bis zur Dunkelheit in die, bei Expedia für knapp 15,- € das Zimmer, gebuchte Clinton Lodge. OK, von der gescheiterten Hillary ist der Schuppen nicht. Ein angeheuerter Motorradfahrer führt uns die verwinkelten Feldpisten bis zum Hotel. Geschafft! Michael und ich, wir teilen uns ein Riesenbett. Wir könnten noch untervermieten. Ab unter die Dusche. Das Wasser tröpfelt spärlich. Aber der Staub muss runter! Auch aus der Kehle. Es gibt nur Softdrinks an der "Bar", die aus einer vollgestellten Theke, drei Tischen und Stühlen dazu besteht. Und der Kühlschrank natürlich. Ich habe noch einige Cedis von vor 3 Jahren und schicke den "Boy" kaltes Bier besorgen (Betonung auf beiden Wörtern "kalt + Bier"). Das Abendessen wird zum Drama, da man es nicht gewohnt ist 7 Personen mit den Wünschen aus der Karte und den Sonderwünschen (nur Tomaten und Käse auf die Spagetti, nicht auch Hackfleisch oder keine Paprika und Zwiebeln oder Käse bitte extra) korrekt zu bedienen. Michaels beide Versuche blieben erfolglos. Also mit knurrendem Magen ins Bett. Das Frühstück wird "mit klarer Ansage" für 7.00 Uhr bestellt. Es dauert dann auch noch länger mit der Rechnung. Wir bezahlen in US-Dollar. Auch die bereis an Expedia bezahlte Übernachtung, da die Lodge das Geld nicht bekommen hat. Expedia gibt auf Nachfrage grünes Licht und wird den gezahlten Betrag zurück überweisen. Danach noch was ins Internet. Das ist stabil. Gute Nacht!

 

Sonntag, den 27. November 2016

1. Advent! In Afrika bei mehr als sommerlichen Temperaturen! Hat was! Die Nacht war OK. Recht warm und um 3.30 Uhr und 5.00 Uhr der Muezin von der benachbarten Moschee. Das Mädel mit dem Frühstückszettel war nicht da. Also alles neu erklärt. Hat aber - mit Verspätung - geklappt. Auch zwei Ananas aus unserem Obstbestand sind fein aufgeschnitten. Um 8:15 h hieß es aufsitzen, denn über 500 km liegen garantiert vor uns. Es geht von Tamale, der Hauptstadt der Northern Region, nach Kumasi, der Hauptstadt des stolzen Ashanti-Volkes. Beim Tanken - das Benzin kostet 3,60 Cedis, das sind 0,85 € - sahen wir eine Werkstatt für Tuk-Tuks. Sie werden immer  mehr auf den Straßen in Togo und Ghana. Sie kommen als Bausatz aus Indien

Auch Trecker nehmen, wenn auch nur in Ghana, zu. Wir kommen auf der gut ausgebauten Straße bestens voran. Bei Yapei überqueren wir um 9.30 Uhr den White Volta. Am Flußufer wird eifrig gewaschen. In einer guten Woche sind Wahlen in Ghana. Viele bunte Bilder und Fahnen am Wegesrand. Die Lautsprecherwagen fahren umher. Es läuft aber alles sehr gesittet ab. Ghana ist eine stabile Demokratie. Von der Hauptstraße geht es später 80 km ab zum ersten Ziel des Tages. Glücklicherweise ist diese Straße auch neu gebaut. Um 10.30 Uhr erreichen wir Damango und um 11.00 Uhr Larabanga, die heilige Stätte Ghanas.

Hier steht seit 1428 die älteste Moschee des Landes. Ein interessantes Gebäude. Wir dürfen es von außen ansehen, fotografieren und bekommen den Ursprung und die Bedeutung erklärt. Drum herum ärmste Verhältnisse, viele verfallene Lehmhütten und spielende Kinder, aber auch Ältere im wahrsten Sinne des Wortes in der Gosse. Der Islam ist in Togo und Ghana weniger Dogmatisch. Es gibt nicht die Suniten oder die Schiiten. Es gibt nur Moslems.

Zurück die 80 km zum Abzweig. Nur die heftigen Schwellen und die wild auf der Fahrbahn herumlaufenden Ziegen bremsen das Vorankommen. Um 11.45 Uhr sind wir wieder in Fufulso auf der Straße Richtung Kumasi. Um 13.15 Uhr passieren wir Buipe und den Black Volta. Ibisse begleiten uns. Plötzlich fängt es an zu regnen. Erst leicht, dann hört es auf, es fängt wieder an und dann gewittert es richtig heftig. Und plötzlich ein Knall. Der vordere rechte Reifen ist platt. Zum Glück fast im Schritttempo, denn Salifou wollte gerade anhalten. Er hatte das Unheil gefühlt. Zu spät!

Wir raus aus dem Bus, Asyl in der nächsten Behausung gesucht und den armen Salifou bedauert. Im wirklich strömenden Regen wechselte er den Reifen. Jetzt fahren wir 4 unterschiedliche Marken! Ich erfreute die Kinder in der Hütte derweil mit den orangen Luftballons von OBI. Dann ging es weiter. Natürlich hörte es dann auch sofort auf zu regnen

Wir schauten uns die Kintampo- Wasserfälle an. Ein Weg führt hinab.

26 m stürzt das Wasser in die Tiefe um dann im Tropenwald zu verschwinden. Schon beeindruckend! Salifou hat in der Zwischenzeit den 2. Reservereifen aufpumpen lassen.

Wir müssen schnell weiter. Noch knapp 200 km bis Kumasi. Aber die Straße hält! Gregor hat an einer der zahlreichen Mautstationen gekochten Yams besorgt. Viel leckerer als gestampft! Zwar trocken, aber noch heiß und nach Kartoffel schmeckend. Sehr mehlig. Die Polizeikontrollen alle gut 10 km sind nervig. Abbremsen, anhalten, warten auf eine Reaktion, Autopapiere zeigen oder lässig in Uniformhose und Unterhemd weitergewunken zu werden. Wovor hat der Staat Angst? Es fängt schon wieder an zu Regnen. Erst ein wenig. Dann heftig. Dann wieder Sonnenschein. Schon beeindruckend hier. Obwohl früher die Regenzeit Ende November immer zu Ende war. Auch hier verschiebt sich das Phänomen. Der Verkehr nimmt immer mehr zu. LKWs am Sonntag, viele Kleinbusse mit Mitfahrern deutlich über der Zulassung, Aufgehalten durch die überladenen Lastzüge - trotzdem nähern wir uns der Millionenstadt Kumasi. Open Street View - offline, aber mit GPS - lenkt uns durch die Stadt. Am Hotel Golden Gate endlich um 19.30 h, deutlich nach dem Sonnenuntergang angekommen, eine Enttäuschung! Unser Hotel, gebucht im Voraus, ist ein anderes. Es hieß früher so. Heute das Kings Tower Hotel. Wie dorthin kommen? Anrufen, sollen uns abholen! Gesagt, getan. Um 20.15 h sind wir, geführt vom Hotelangestellten endlich da. Eine ruhige Lage. Aber warten wir die Nacht ab. Nettes Personal, schnell begreifend und wirklich bemüht. Ja, hier bleiben wir 3 Nächte. Schnell das Essen bestellt, aufs Zimmer - hui, fast (aber nur fast) Europäisch und sauber. Wir fühlen uns wohl - ohne Moskitonetz. Hände und Gesicht gewaschen und das Handtuch sieht aus wie nach einer Woche Paris - Dakar. Mit dem Essen klappt fast alles und auch beim Abschlussbier an der Bar immer noch freundliches und vor allem motiviertes Personal. Sie wollen eine Fanta? Ich empfehle Ihnen was leckeres anderes mit einem Schuss Ananassaft. Quasi der Almdudler Afrikas. Hui, was war mein Hähnchen scharf. Chili ist hier Chili! Das muss noch, es ist 1. Advent, gelöscht werden. Gesagt, getan. Danach: Gute Nacht!