Togohilfe-Reisebericht: Teil 5

Erlebnisse und Begegnungen, spontan von Stefan Raetz notiert.

 

Montag, den 28. November 2016

Und wieder wird um 8.00 Uhr gefrühstückt. Das Restaurant ist gegenüber dem Kings Tower Hotel. Wir haben gut geschlafen. Die Dusche war, trotz Durchlauferhitzer, kalt. Aber sauber ist es. Und "kalt" ist in Afrika relativ. Frühstück als Buffet! Omlette am Morgen ist OK, aber der englische "Kram" muss nicht sein. 9.00 Uhr Abfahrt zum Geldtauschen. Die GCB, die Ghana Comercial Bank, soll den besten Kurs haben. Also hin. Ergebnis: Verkehrschaos drum herum. Alles hupt, es stinkt (die Autos, die Gosse, die Verkaufsstände), Michael und Aimé sollen umtauschen gehen, werden aus dem Kleinbus gelassen und Salifou fährt einmal im Viertel umher, denn Parken ist unmöglich. Alle Anstrengungen nutzten nichts, für Euros gibt es bei der GCB keine Cedis. Aber die Barclay-Bank in der Universität würde Euros in Cedis wechseln. Nachdem wir uns endlich wiedergefunden haben, ab zur Uni. K.N.U.S.T. heißt die Universität. Ein Riesengelände. Ähnlich den Universitäten in Accra und Cape Coast, die wir vor 3 Jahren besucht haben. Endlich um 10.30 Uhr werden aus meinen 150,- € immerhin 630,- Cedis. Jetzt aber ab in die Stadt. Kumasi, 2,5 Millionen Einwohner, die Ashanti-Hauptstadt wartet schon auf uns.

Wir wollen zum Markt und zum Kulturzentrum. Ein nicht für möglich gehaltenes Wirrwarr an Menschen, Autos und Verkaufsständen. Nichts geht mehr. Der Kleinbus steht. Nichts geht vor, nichts geht zurück. Die Hitze im Bus steigt. Also raus! Wir wünschen Salifou und Gregor viel Glück und gehen zu Fuß am Rande des Marktes zum Ghana National Cultural Centre mit dem Prempeh II. Jubilee Museum. Klaus und Open Street Map sei Dank. Wir quetschen uns an Autos, Bussen, Menschen und Ständen vorbei. Immer alles haarscharf. Wenn hier mal Panik ausbricht! Nicht dran zu denken. Im Gelände werden die Universitätsabschlüsse gefeiert. Viele adrette Absolventinnen, fein rausgeputzt, darunter. Nett anzusehen und voller Stolz. Sind auch Absolventen hier? Oder bemerken wir die Jungs einfach nicht? Wir brauchen eine Erfrischung! Das tut gut im Schatten was kühles in der Hand, im Glas und dann im Magen zu wissen. Aimé und Georg - er hat es geschafft mit Salifou dem Moloch zu entfliehen - bekommen den Auftrag für morgen einen einheimischen Führer zu organisieren. Wir lassen uns derweil im kleinen, aber bedeutsamen Museum des Ashanti-Volkes die Kultur dieses ebenfalls stolzen und selbstbewussten Volkes erklären. Ein Gang zum Handwerkermarkt vervollständigt dies. Wir treffen uns erneut beim kühlen Getränk. Aimé hat eine Überraschung. Gleich kommt unser Guide. Wow, das hat aber geflupt! Und dann ist er da: John - ein Baum von Mann. Hoffentlich sitzt er im Bus nicht neben mir, denke ich noch. John spricht ein sehr klares Englisch, anders als sonst in Ghana. Wir werden uns einig, also fängt George seinen Job direkt an.

Er lotst uns zum zweitgrößten Krankenhaus von Ghana und zeigt uns ein auf dem Gelände beheimatetes Heiligtum der Ashanti. Beeindruckend! Von dort steuert George uns zum Königspalast des Ashanti-Königs. Es herrscht Trauer, da die Mutter des Königs, die nicht die wahre Mutter des Königs ist (in aller Regel) und eine höhere Stellung als der Ashanti-König hat, gerade mit 111 Jahren gestorben ist. Jetzt ernennt der König eine neue Königsmutter. Wir erfahren beim Rundgang durch das ehemalige Wohnhaus der Ashanti-Könige viel über die Ashanti, ihre Bräuche und das Leben der Könige. Ein Film stimmt uns ein. Dann übernimmt ein Guide, der - wieder mit stolz und Begeisterung - uns durch "seinen" Königspalast führt und auch alles vorführt. Besonders freut es ihn uns das Bild vom Besuch von Bundespräsident Horst Köhler in Ghana zu zeigen, da er den Ashanti-König traf. Er erzählt von dem berühmten "Goldenen Stuhl" der Ashanti-Nation und dass dieser Stuhl höher steht als der König und nicht zum sitzen da ist. Der jetzige König ist seit 1999 Nana Osei Tutu II. Der Name wird festgestellt durch das erstmalige berühren der Hand des neuen Königs am goldenen Stuhl. Mit verbun- denen Augen. Das Ashanti-Königreich, das Königreich des Goldes, feiert alle 42 Tage mit dem König das Adare-Fest in alter Tradition.

Wir verlassen das Palastgelände, genauer den Manhyia Palast mit den unzähligen Pfauen (aus ursprünglich 2 sind über 500 geworden) im Garten. Wir verspüren an diesem tropisch warmen Tag mit über 36 ℃ Durst und Hunger, denn am Mittag ist uns nicht nach Nahrungsaufnahme. John empfiehlt das Jofel. Gute Wahl! Mein extra scharfes Rindfleisch ist extra scharf. Ich spüre jetzt über 40 ℃! Unsere "Schwarzen" sind froh in der Umgebung in einer der zahlreichen Garküchen am Straßenrand etwas Afrikanisches zu essen. Zurück durch den immer noch dichten Verkehr und das immer noch bunte Treiben am Wegesrand. An den Kreuzungen herrscht immer reger Verkehr und Stillstand, da die Autofahrer voll auf die Lautstärke der Hupe (zu Deutsch: Warnsignalanlage) und die Macht des Stärkeren setzen. Nicht ein Millimeter wird gewichen. Das Chaos auf der Kreuzung ist perfekt. Das sind die Minuten der vielen Verkäuferinnen, die alles mögliche auf den Schlüsseln auf dem Kopf anbieten, von Eiern (wie lange garen die schon in der Hitze?), über Klopapier, Bananen, bis hin zu Tabletten und irgendwas undefinierbarem (aber wohl essbarem). Ein Knochebjob. Wie oft wird wohl jemand in dem Abgassmog angefahren? Wenn sie uns Weiße sehen ist die Hoffnung auf ein Geschäft besonders groß. Und wenn wir auf Nachfrage sagen, dass wir aus Deutschland sind, dann wollen alle mit. Jetzt noch geräucherten Fisch? Lieber nicht! Das ist Kumasi 'by night"! Unser Abschluss an der Hotelbar mit den plüschigen Sofas in violett (Königlich!) ist wie immer nett. Aber was war das für ein Tag in Kumasi. Wir haben es überlebt! Wir sind Helden!