Togohilfe-Reisebericht: Teil 8

Erlebnisse und Begegnungen, spontan von Stefan Raetz notiert.

 

Donnerstag, den 1. Dezember 2016

Der Dezember beginnt und wir sind am schwitzen. Schon komisch! Die Nacht war kurz, denn das Bett für zwei einfach zu schmal. Außerdem war es die Nacht entweder zu kalt (mit Klimaanlage) oder zu warm (ohne Klimaanlage). Aber eine super Dusche mit Regenwaldduschkopf wartet. Das tat gut! Ebenso das Frühstück. Cornflakes, Rührei, Früchte, Saft, verschiedene Brotsorten - alles dabei. Sogar frisch aufgebrühter Kaffee statt dem Nescafé. Um 9.15 Uhr starten wir mit Nii. Auch die 5 Mio. Einwohnerstadt Accra will entdeckt werden.

Wir wohnen im Botschaftsviertel. An der US-Botschaft vorbei - alles sehr auffällig bewacht und mit hohen Mauern umgeben - kommen wir nach wenigen Minuten am W.E.B. du Bois Memorial Centre for Pan African Culture in Ghana an. Dr. William Edward Bagatte du Bois, 1868 in Massachusetts geborener Sozialist, kam 1961 nach Ghana. Er gilt als der Vater der Pan Afrikanischen Bewegung. Der 1. Präsident Ghanas nach der Unabhängigkeit 1957, Dr. Kwame Nkrumah, schenkte Dr. du Bois das Haus, das wir besichtigten. Er starb als Ghanaer 1963. Das Mausoleum liegt neben dem ehemaligen Wohnhaus, heute Museum. Vorbei am Flaggstaff-House, dem Sitz des Präsidenten bzw. Stellvertreters, fuhren wir am Rande des Marktes entlang. Auch hier für uns Mitteleuropäer Chaos pur. Und natürlich kein Durchkommen. Durch die am kommenden Mittwoch anstehenden Wahlen in Ghana ist alles noch lauter und bunter. Junge Männer als lebendige Litfaßsäulen, angemalt in den Farben der jeweiligen Partei, stehen an markanten Stellen, werben um Stimmen und Spenden. Viele Menschen zeigen offen durch das Tragen von Schals oder Hüten, T-Shirts oder den Farben der Partei, für wen sie stimmen. Aber alles läuft, trotz auch lautstarker Botschaften aus dem Lautsprecher, friedlich ab. Wir fahren durch die Oxford-Street mit ihren westlichen Einkaufsläden. Was für ein Gegensatz zu dem Markttreiben! Weitere Märkte folgen - der Handymarkt, der Motorradmarkt, u.v.m.. Auch die vielen Prediger fallen auf. Sie stehen irgendwo und predigen lautstark mit dem Megaphon oder der Lautsprecherbox. Laut sind sie auf jeden Fall. Daneben bettelt dann ein Moslems um etwas Geld. Fast alle Autos, vor allem die Kleinbusse, tragen biblische bzw. religiöse Sprüche. 

Mittags sind wir, wie vor 3 Jahren, im Tawala unmittelbar am Strand. Eine idyllische Strandkneipe im Sand. Palmen, laues Lüftchen, Blick aufs Meer und  lecker Essen. Der Red Snapper mit frittiertem Yams - ein Gedicht! Und das für unter 10,- € mit Getränk! Der Abschied von dieser Idylle fällt uns schwer.

Wir  fahren, ebenfalls an der Küste, zur Kunstgalerie der Artist Alliance Galery. Ein dreistöckiges Gebäude. Unten Antiquitäten und Verkaufsräume, aber auch eine Ausstellung mit Kunstsärgen, egal ob als Fisch, Auto, Burg oder Turnschuh. Sehr gelungen idie Ausstellungen im 1. und 2. Obergeschoss. Tolle, beeindruckende Kunst, vor allem der einheimischen Maler. Das Lebensgefühl ist in jedem Bild, in jeder Zeichnung spürbar. Schade, es geht schon weiter.

Wir halten am Unabhängigkeitsplatz, dem Schwarze-Sterne-Platz von 1957. Auf  dem großen Platz, der von Tribünen umsäumt ist, wird jährlich der Unabhängigkeit gedacht.

Über dem Elektronikmarkt und dem Textilienmarkt ereichen wir, staugeplagt, den Handwerkermarkt. Sicherlich sind wieder nette Kleinigkeiten für den Weihnachtsmarkt nächstes Wochenende zu erwerben. Nervig ist, dass ein geordnetes anschauen und vergleichen nicht möglich ist. Jeder fasst einen an und will, dass man den Shop betritt. Michael und ich, wir geben auf und schauen lieber den lautstark sich streitenden Glücksspielern über die Schulter. Silvia erwirbt verschiedene Stoffe. Wir sind gespannt welchen neuen Afrikalook sie uns nächstes Jahr zeigt. Den Abschluss mit Nii, der uns mit gewagten Schleichwegen durch die Stadt geführt hat, machen wir im "Lord of the Wings". Hier ist schon alles in Weihnachtsdeko! Musik, Weihnachtsbaum, Schnee an den Fenstern. Schon ulkig! Auf jeden Fall kitschig! Ein Laden mit überwiegend Weißen als Gästen und unzähligen Einheimischen als Bedienungen, Köche, Kassierer, usw.. Wenn auch nicht so typisch Afrikanisch - lecker ist es. Im Hotel findet die Abschlussbesprechung mit Aimé statt. Fest steht, es war wieder sehr interessant und beeindruckend! Wird diese Nacht angenehmer, denn die nächste Nacht im Flugzeug wird noch unentspannter!?