Togoreise 2017 - Tag 3

Sonntag, den 19.11.2017
Heute morgen kommt unser ehemaliges Patenkind Pelagie vorbei. Sie hat ihre Ausbildung erfolgreich beendet und hat bei einem libanesischen Unternehmen im Hafenbereich eine Stelle im Bereich Buchhaltung und Personalwesen gefunden. Ihr Arbeitsvertrag ist auf 3 Monate befristet und muß immer wieder verlängert werden. Erst nach vier Jahren kann sie einen unbefristeten Vertrag erhalten. Ihr monatliches Gehalt beträgt
80.000 CFA – das sind 122 Euro. (Ein Gymnasiallehrer an einer Schule in Kpalimé verdient die Hälfte.)

 

Nach dem Besuch von Pelagie fahren wir los und besuchen einige Familien in der Stadt. Heute ist es wieder etwas sicherer für uns, die Unterkunft zu verlassen, da keine Demonstrationen sind. Bei Marie erfahren wir, dass ihr sehbehinderter älterer Bruder nun zu einem Onkel nach Senegal gereist ist, um dort eine Lehre als Schuhmacher zu machen. Marie liest uns eine Geschichte aus ihrem Englisch-Buch vor und wir üben ein bisschen „th“, das haben hier viele Kinder dringend nötig. Wir erklären, dass Sie jeden Tag lesen üben muss. Ihr jüngerer Bruder Joseph hört interessiert zu. Er hat gerade seinen Grundschulabschluss gemacht.
Obwohl er sehr häufig krank ist, hat er den besten Schulabschluss aller Grundschulen in der Region gemacht. Er erklärt uns sehr überzeugend, dass er unbedingt nach Deutschland auf eine Fussballschule gehen möchte, da er in Togo aufgrund der aktuellen Situation im Bildungssystem keine Chance sieht. Er wünscht sich Fussballschuhe, die ihm seine Mutter, die Obsthändlerin auf dem Markt und alleinerziehende Mutter von 4 Kindern ist, nicht kaufen kann. Joseph ist 11 Jahre alt.

Marie mit ihrem jüngeren Bruder Josef
Marie mit ihrem jüngeren Bruder Josef

 

Beim nächsten Besuch treffen wir Marcel. Er wiederholt die Klasse unter anderem wegen Mathematik und bekommt ein kariertes Mathematikheft. Die Mutter ist sehr bemüht, aber wie ein richtiges Mathematikheft aussieht, wußte sie noch nicht. Karierte Schulhefte sind teurer in Togo wie die Schreibhefte mit der französischen Sayes Linierung, die normalerweise verwendet werden. Aus seinem Englisch-Buch liest er dieselbe Geschichte vor, wie Marie – auch er muß noch viel üben. Ein Mathematik-Buch hat er nicht. Auch seine Schwester Justine, die nun die selbe Klasse wie er besucht, hat kein Mathematik-Buch. Die Mutter bekommt das Geld für die Schulbücher und muss diese gleich am nächsten Tag kaufen. In Togo ist es üblich, dass viele Familien kein Geld für Schulbücher aufbringen können.
Manchmal haben nur 3 oder 4 Kinder in einer Klasse mit 100 Schülern Schulbücher. Bei unseren Patenkindern legen wir großen Wert darauf, dass die Kinder zumindest in den Schlüsselfächern Englisch, Mathematik, Französisch, Physik und Chemie ihre Schulbücher haben. Die Führung der Schulhefte bei Marcel ist vorbildlich und er kann den Unterrichtsstoff, der in seinen Schulheften dargestellt ist, gekonnt zusammenfassen. In der achten Klasse behandeln sie die binomischen Formeln, mit denen auch wir als Schüler mal gequält wurden.