Togoreise 2017 - Tag 5

Dienstag, den 21.11.2017
Während die anderen sich einen schönen Tag bei der Feier von AGERTO machen, fahren Klaus und Silvia mit Salifou und Seli nach Lomé. Um zum Nachmittagsprogramm wieder da zu sein, heisst es – früh aufstehen. Kurz vor 6:00 Uhr morgens ist Abfahrt. Ohne Frühstück geht es los. Aimé hat am Vorabend beim Flughafenbüro angerufen und geklärt, dass wir den Koffer heute Vormittag abholen können. Mal sehen, was wir wann wirklich wieder kriegen. Wir hatten schon nicht mehr daran geglaubt, dass wir unseren Koffer wiedersehen.
Die Fahrt von Kpalimé zum Flughafen Lomé dauert ungefähr 2,5 Stunden.
Wir fahren erst mal durch Kpalimé. In diesem Jahr sind die Fensterscheiben der Präfektur eingeworfen. Unterwegs erzählt man uns, das wären die Demonstranten gewesen. Zu einem späteren Zeitpunkt erfahren wir in einer anderen Version der Geschichte, dass sich Jugendliche in der Nacht Mut angetrunken und die Scheiben eingeworfen hätten. Was hier die Präfektur ist, das entspricht bei uns dem Landratsamt.


Wir fahren auf dem Weg zurück nach Lomé vorbei an Reis- und Gemüsefeldern, an Teakholz-Plantagen, Mais- und Maniokfeldern. Kpalimé ist eine fruchtbare Region und in Togo bekannt für ihren Obst-und Gemüse-Reichtum. Auf der Straße nach Lomé passieren wir ein paar ärmliche Bauerndörfer. Am Straßenrand wird mit der in den Dörfern hergestellten Holzkohle gehandelt. Außerdem gibt es geröstete Erdnüsse, abgefüllt in ehemaligen Schnapsflaschen, zu kaufen. Einige Polizeistationen und regionale Zollstationen passieren wir ebenfalls auf der Straße nach Lomé. Nach ungefähr zwei Stunden kommen wir an der letzten Zahlstation für die Straßengebühr vor Lomé an. Bis zum Flughafen ist es noch ein ganzes Stück. Unterwegs fahren wir an einer mobilen Zahnklinik vorbei, die in einem LkW untergebracht ist. Die Patienten sitzen bereits wartend am Straßenrand.


Am Flughafen fragen wir uns durch und kommen schließlich zu einem Tisch in der Eingangshalle, wo uns ein Angestellter mit wichtiger Miene in ein großes Buch einträgt. Der fehlende Koffer ist auf Silvia registriert.
Vom Abholzettel und vom Pass muss nun eine Kopie gemacht werden. In der Eingangshalle gibt es glücklicherweise einen Copyshop. Seli kennt sich mit so etwas aus. Sie schimpft gleich mal, weil wir für die zwei Kopien
200 CFA (30 Cent) bezahlen müssen. Das kostet normalerweise nur 10 CFA.
Nun müssen wir die Kopien wieder gegenüber abgegeben und dann darf Silvia alleine mit einem Besucherausweis in die Sicherheitsschleuse vom Personaleingang. Dort wird die Handtasche durchleuchtet und die Schuhe müssen ausgezogen werden. Danach muss sie sich durchfragen, wo sie ihren Koffer wieder bekommt. Beim Registrierungsbüro für verlorenes Gepäck muss sie eine halbe Stunde warten, weil der Schlüssel für den Gepäckraum nicht da ist. Irgendwann bringt eine wichtig aussehende breitschultrige Dame mit olivgrüner Uniform und schwerem Schritt den Schlüssel vorbei.
Im Gepäckraum steht dann tatsächlich der Koffer – noch original-verpackt mit Kofferband. Silvia muss nun noch eine Unterschrift leisten, für den Erhalt des Koffers und dann kann sie ihn zur Gepäckkontrolle bringen.
Dort wird der Koffer durchleuchtet und es wird gefragt, wo er herkommt.
Silvia sagt er kommt aus Brüssel. Danach wird gefragt, ob der Koffer schon geöffnet worden sei. Silvia beantwortet die Frage mit ja. Wenn die Jungs bei der Gepäckkontrolle den Koffer öffnen, dann ist hinterher nicht immer das noch drinnen, was einmal drin war und man hat keine Chance zu verhindern, dass sie sich am Inhalt bedienen. Silvia hat Glück, der Koffer kann zubleiben und sie kann die Gepäckkontrolle verlassen. Als sie freudenstrahlend mit dem Koffer durch die Türe geht, warten Klaus und Seli schon. Alle sind erleichtert, dass es geklappt hat. Nun gehen wir erst mal ins Seemannsheim zum Frühstücken. Seli bestellt es telefonisch vor und es geht wunderbar schnell. Danach fahren wir wieder zurück nach Kpalimé. Nach insgesamt 6,5 Stunden ist unser Ausflug zu Ende.

 

Zeugnisverleihung der Lehrlinge in Kpalimé
Zeugnisverleihung der Lehrlinge in Kpalimé

Währenddessen wurden bei AGERTO in Kpalimé 7 Lehrlingen die Abschlußzeugnisse verliehen, sechs Mädchen und ein Junge. Von den Notablen waren nur wenige da. Der traditionelle Chef aus Kpalimé war zum ersten Mal da und hat eine Rede gehalten. Die Lehrer erhielten eine „Motivation“ im Umschlag in Form einer kleinen Summe Bargeld. Diese Motivation wird aus dem Lehrerfond ausbezahlt, der zudem einen finanziellen Rückhalt für Notfälle darstellt. Der Grund dafür ist, dass die Lehrer bei AGERTO einen auch für togoische Verhältnisse sehr geringen Lohn erhalten. Bei der Tour wird der Lehrerfond zu 50% ausgeschüttet in Form der Auszahlung dieser Motivation an die Lehrer, die ja auch ihre Familien versorgen müssen und außer ihrem geringen Lohn sonst keine oder nur wenige Einnahmen haben. Die restlichen 50% bleiben als Rückhalt für Notfälle bestehen. Immer wieder kommt es vor, dass ein Lehrer z.B. Arztkosten finanzieren muß, wenn er krank wird. Dies erfolgt dann aus dem Lehrerfond. Anstelle der Patenschaft für eine einzelne Person wurde der Lehrerfond bei Togo-Hilfe geschaffen um die Lehrer bei AGERTO zu unterstützen. Paten können in den Lehrerfond einzahlen und dieses Geld kommt dann indirekt auch den Lehrlingen zugute.


Die 3 besten Auszubildenden wurden bei der Verleihung der Abschlusszeugnisse prämiert. Der Industrie- und Handels-Club Bonn (IHC) spendet seit vielen Jahren für die Prämierung der besten Absolventen.
Kristina, die Tochter von Messan war die beste Absolventin bei AGERTO in Kpalimé und die viertbeste der Präfektur Kloto. Die Zeugnisverleihung wurde wie in jedem Jahr von Tanzeinlagen und Musik begleitet.

Besuch bei Erik's Familie in Kusuntu
Besuch bei Erik's Familie in Kusuntu

Am Nachmittag besuchen wir einige Patenkinder von „Zukunftschance“. Wir beginnen bei Eric in Kusuntu, der eine Schreinerlehre beginnen wird. Die Familie ist ganz stolz darauf. Die Tante hat ihn und seine Geschwister aufgenommen, als seine Mutter bei der Geburt seiner kleinen Schwester gestorben ist. Für die Schreinerlehrer benötigt Eric Werkzeug und Arbeitskleidung.
Sadate lebt bei seiner Großmutter in Novissi Madjatom. Die Aussprache in Englisch muss er üben. Zuhause fehlte das Physik-Buch. Das hat der Betreuer Hyacinthe für uns beschafft. Bei Raimond ist es ähnlich. Auch dort fehlen Schulbücher. Auch bei Raimond lassen wir ein Physikbuch anschaffen. Sadate und Raimond gehen in die Klasse troisième – das ist die letzte Klasse der Realschule. Pasqualine hingegen hat alle Bücher.
Sie geht bereits auf’s Lycée (Gymnasium) und liest uns akzentfrei aus ihrem Deutschbuch vor. Der Vater von Pasqualine ist krank. Er hat einen Tumor an der Speiseröhre und ist aufgrund seiner Krankheit seit Monaten ohne Gehalt.


Gruß Silvia und Klaus