Togoreise 2017 - Tag 7

Donnerstag, den 23.11.2017

Heute verlassen wir die Region Kpalimé und fahren nach Notse. Notse ist die Stadt der Ananas. Dort wächst die beste Ananas in Togo. Die schmecken hier so süß und saftig, was man sich gar nicht vorstellen kann, wenn man nur Ananas in Europa kennt.

 

Die Straße nach Notse ist jedoch keine Teerstraße, obwohl sie eine der Hauptverkehrsadern in der Region ist. So geht es auf der staubigen, roten Piste mit unserem gemieteten alten, nicht klimatisierten Bus 2 Stunden lang quer durch den Busch. Gekonnt meistert unser Fahrer Salifou Bodenwellen und Schlaglöcher. Zeitweise werden wir ordentlich durchgeschaukelt, weil die Piste nach der Regenzeit in einem üblen Zustand ist. Durch den roten Staub, der überall eindringt, sehen wir entsprechend aus. Uschi und Silvia witzeln, Rouge ist bei dieser Fahrt inbegriffen. Dina und Tim – zwei Freiwillige aus Deutschland begleiten uns und loben die Fahrkünste unseres Fahrers. Dina hat die Strecke wohl kürzlich als Beifahrerin in einem PkW bewältigt und das hatte anscheinend eine andere Qualität. Als wir an den ersten Baumwollfeldern vorbeifahren, wissen wir, dass wir die Hälfte der Strecke geschafft haben. Von hier bis nach Notse erstreckt sich eines der großen Baumwoll-Anbau-Gebiete von Togo.

 

Als wir die Teerstraße in Notse erreichen, sind wir alle sehr erleichtert. Wir sind ein bißchen spät dran. Von Notse aus müssen wir auf der Teerstraße 12 Kilometer nach Norden fahren. Dann geht es links ab erneut auf unbefestigte, rote Staub-Piste. Nur noch 12km = 30 Minuten – dann werden wir in Akpakpakpe ankommen.

Im dortigen Handwerkszentrum gibt es inzwischen 23 Lehrlinge. Das ist wirklich unglaublich, denn das wurde vor ein paar Jahren aus dem „Nichts“ quasi im „Nichts“ aufgebaut. In den umliegenden Dörfern und in Akpakpakpe leben mitten in der Buschregion – 12km von der nächsten Teerstraße weg ungefähr 10.000 Menschen – ohne Strom und ohne fließend Wasser. Bis vor kurzem gab es in der ganzen Region keinen einzigen Handwerker – nicht mal eine Schneiderin. Da ungefähr 47% der togoischen Bevölkerung unter 14 Jahre ist, gibt es auch hier überall Kinder und Jugendliche. Die Schulen in Akpakpakpe sind überwiegend in Strohhütten und Wellblechhütten untergebracht. Die Menschen, die hier leben, bauen Zuckerrohr, Mais, Maniok, Reis, Baumwolle und Gemüse an. Dazu gehören z.B. auch Sesam, Tomaten oder Wassermelonen. Außerdem gibt es die Hühnerzucht und einige Ziegen. Maschinen oder Tiere für die Feldarbeit gibt es nicht. Die Menschen hier arbeiten mit einfachen Werkzeugen und bestellen ihre Felder mit ihrer eigenen Muskelkraft. Feldarbeit ist überwiegend Frauenarbeit.

In Akpakpakpe feiern wir heute die Übergabe der Abschlußzeugnisse an die Absolventen des Handwerkerzentrums AGERTO. Michael hatte den deutschen Botschafter, Herrn Christoph Sander hierzu eingeladen, der auch gekommen ist. Zur Feier kommt ein Vertreter der Handwerkskammer zu Köln, der hier in Togo Handwerker-Organisationen berät. Viele Notable und Honoratioren aus den umliegenden Gemeinden sind anwesend. Während der Veranstaltung kommt der Präfekt der Präfektur Haho Hauptort Notse dazu. Wie immer beginnt das Fest mit einem Chor, der die deutsche und die togoische Nationalhymne singt – selbstverständlich muss man aufstehen und mitsingen.

 

Danach werden verschiedene Reden gehalten – vom traditionellen Chef, den man hier König nennt und der die vergleichbare Funktion eines Bürgermeisters hat, über den Botschafter, den Präfekten, usw. und das ganze Programm wird immer wieder durch verschiedene Tanzeinlagen untermahlt. Dann erfolgen die Zeugnisübergabe und anschließend die Einweihung der von Togo-Hilfe e.V. gestifteten Maismühle und eines Hauses für die Übernachtung der Lehrlinge. Nach der Feier fahren wir weiter nach Atakpamé. Dort übernachten wir im Hotel Luxembourg.

 

Gruß

Silvia und Klaus