Togoreise - Tag 8

Freitag, den 24.11.2017
Michael und der Repräsentant der Handwerkskammer zu Köln ( HWK ), Herr Joachim Milz ( ein in Afrika sehr erfahrener Einsatzleiter ), fahren um
08.00 Uhr zur hiesigen HWK „CRM Plateaux“. Hier besprechen sie mit dem Präsidenten der HWK und dessen Sekretär das Ablaufprogramm der geplanten Veranstaltungen. Um 09.00 Uhr werden Sie vom Präfekten von Ogou empfangen. Der Präfekt freut sich, dass die HWK zu Köln sich auch in seiner Region engagiert. Danach bringt Herr Milz Michael wieder zum Hotel Luxembourg.

Auf unserem Programm heute steht die Besichtigung von Kamina. Das war die Sende-und Empfangsstation der Deutschen Kolonialverwaltung in Togo, die 1914 in Betrieb ging und dann bei der Kapitulation im 1. Weltkrieg nach nur wenigen Wochen Betriebszeit gesprengt wurde. Während der dreijährigen Bauzeit ist es das größte technische Projekt in Afrika.
Heute sieht man noch eindrucksvolle Ruinen der ehemaligen Station mitten in den Maisfeldern. In den Trümmern der einstigen Turbinen und Kessel des Wasserkraftwerks für die Stromerzeugung spielen Kinder. Nebenan wird gerade ein SOS Kinderdorf gebaut. Die Arbeiter an der Betonmischmaschine lachen als sie uns Jovo’s (Weiße) durch den Busch kommen sehen und lassen sich gerne von uns Fotografieren. Bei der Fahrt zurück nach Atakpamé fahren wir über Bahngleise. In Atakpamé gab es in der Kolonialzeit 3 Bahnhöfe. Hier endete die Baumwoll-Linie der deutschen Kolonialverwaltung. Frankreich hatte dann die Eisenbahn bis Blitta weiter gebaut. Ein Teilstück der Eisenbahnlinie wurde extra nach Kamina gelegt, um die schwersten Teile der Station zu transportieren.

Bei einer Frauenkooperative in einem Dorf im Vorort von Atakpamé schauen wir uns die Seifenproduktion an. 13 Frauen bilden eine Kooperation zur Herstellung von Seife. Um sie zu besuchen, laufen wir durch Mais-und Hirsefelder am Dorfrand zu einem kleinen Platz, wo verschiedene Schüsseln stehen und ein kleines Feuer brennt. Zwei Frauen aus der Kooperative sind momentan hier bei der Arbeit. Die Frauen wechseln sich dabei ab. Die Arbeit der Frauen ist sehr anstrengend. Die Seife wird aus dem Öl von Palmnüssen gewonnen. In verschiedenen Arbeitsgängen wird dieses Öl weiterverarbeitet und mit der Asche von Maiskolben gemischt. Am Ende entsteht eine Paste in grauer Farbe. Aimé zeigt uns, wie man damit die Hände wäscht. Er erklärt uns, dass dies eine Arbeit ist, die nur die alten Frauen machen. Sie verkaufen die Seife und verdienen Geld, mit dem sie helfen, z.B. den Schulbesuch ihrer Enkel zu finanzieren.


Atakpamé ist die Stadt auf sieben Hügeln und liegt in den Akpossobergen.
Das Klima ist hier wesentlich angenehmer als in Lomé. Außerdem ist es die viert- (in manchen Literaturquellen auch die fünft-)größte Stadt in Togo. In Atakpamé machen wir eine Stadtrundfahrt. Wir schauen uns den Königspalast in einem der Viertel an. Dort sehen wir den Gerichtssaal und verschiedene andere Gebäude. In einer Ecke steht ein Tamtam parlent – das ist eine sprechende Trommel. Zu bestimmten Anlässen wird diese Trommel geschlagen und es gibt auch heute noch Leute in den Dörfern die diese Botschaften der sprechenden Trommeln interpretieren und verstehen können.

Um 14 Uhr fahren Herr Milz und Michael zum „CRM“, denn ab 15 Uhr halten sie eine „Présentation de la Chambre de Métiers de Cologne“. Vor ca. 60 Handwerkern der verschiedensten Berufe der Region Atakpamé informierten beide über das Handwerk in Deutschland.
Michael, der seit 40 Jahren zahlendes Mitglied der HWK ist, kennt natürlich die Strukturen genau. Ein von H. Milz bestens vorbereitender
PP- Vortrag mit 26 Folien zeigte sehr anschaulich die föderalen Strukturen in Deutschland, die Lage und die Wahrzeichen Kölns und Sinn und Zweck einer HWK und deren Organisation.
Informiert wurde auch, dass diese HWK für 151 Berufe zuständig ist, es
33.408 Betriebe mit 185.000 Mitarbeitern gibt die insgesamt einen Umsatz von 17,5 Milliarden EURO tätigen.
Sehr interessiert zeigten sich die Handwerker auch beim Thema „Ehrenamt“ wie Obermeister, Gesellen- und Meisterprüfungs- Ausschüsse.
Das duale System der Ausbildung im Deutschen Handwerk kannte man hier noch nicht. Der Hinweis von Michael, dass es zusätzlich in vielen Berufen auch noch eine „Überbetriebliche“ ( = praktische ) Ausbildung gibt, erstaunte die Zuhörer sehr. Die Folien, die das von der HWK etablierte Berufsausbildungszentrum „Butzweiler Hof“, dessen vielfältigen Aufgaben und die von der Industrie gesponserten Maschinen und Werkzeuge zeigte, beeindruckten.
Im Anschluss wurden viele Fragen gestellt. Hier einige Beispiele:

  • Warum bekommen Auszubildende in D so viel monatlichen Lohn?
  • Warum eine zusätzliche praktische Ausbildung?
  • Warum eine Zwischenprüfung?
  • Wer bezahlt die Schulen, Lehrer?
  • Warum legen wir in D so viel Wert auf gut ausgebildete Lehrlinge?
  • Gibt es einen Minister für‘s Handwerk?
  • Einfluss der HWK auf die Ausbildungsordnung?

Nachdem alle Fragen von den beiden „Experten“ beantwortet wurden, endete die Versammlung um 18 Uhr.


Fazit von Michael:
Durchweg waren alle Zuhörer sehr konzentriert und engagiert. Nur Einer schlief zeitweise, keiner verließ vorzeitig den Raum. Dem im August 2017 neu gewählten Handwerkskammer Präsidenten der Präfektur Ogou mit Zentrale in Atakpame, merkte man an, dass er in seine Aufgabe noch reinwachsen muss. Von der Geschäftsführung der HWK Ogou war Michael überzeugt, dass diese den neuen Aufgaben gewachsen sein wird. Sehr positiv beeindruckt hat Michael das enorme Engagement von Herrn Joachim Milz. Die Fragen der Beteiligten zeigten, dass das Thema gut aufgearbeitet war und verstanden wurde. Dazu beigetragen hat auch, dass Michael den Vortrag nicht zuerst auf Deutsch, sondern Herr Milz den Vortrag direkt in Französisch gehalten hat und dieser dann bei jeder Folie in Mina ( die regionale Sprache ) übersetzt wurde. Das war anders geplant, Herr Milz hatte jedoch sehr schnell gemerkt, dass dies in der Region Ogou nicht so gemacht werden konnte, wie vor ein paar Tagen in der Region um Tsevie.
Nochmals ein ganz großes Lob von Michael an Herrn Milz, der seine Aufgaben sehr strukturiert und verständlich, sicherlich mit hohem Zeitaufwand und mit großem Engagement durchführt. Man merkt, dass er nicht nur „seinen Job macht“, sondern seine Aufgabe mit großem Überblick und Herzblut ausführt.
Michael ist sichtlich stolz, einen solchen Repräsentanten „seiner“ Handwerkskammer zu Köln bei dessen Arbeit kennengelernt zu haben.

Am Abend sitzen wir im Hotel Luxembourg in Atakpamé auf der Dachterasse zum Abendessen. Ein angenehmes laues Lüftchen weht und wir rekapitulieren gemeinsam den interessanten Tag.

Gruß Silvia und Klaus.