Togoreise - Tag 9

Samstag, den 25.11.
Gestern gab es zum Frühstück keine Butter. Für das Frühstück heute hat das Hotel Butter aus Lomé kommen lassen. Das Brot hier im Hotel ist schon sehr einfach – eher wie Pappe, aber Joachim war gestern bei der Zeugnisverleihung von 40 Bäckerinnen und hat dort ein Brot geschenkt bekommen. Das schmeckt richtig gut, ist etwas süßlich, fast wie Hefezopf bei uns zuhause.
Atakpamé ist unter anderem für seine Handwerksbetriebe bekannt. Am Samstagmorgen besichtigen Uschi, Klaus und Silvia ein paar Handwerksbetriebe in Atakpamé. Michael hat ein alternatives Programm mit Joachim Milz. Zunächst besuchen wir eine Schmiede. Mehrere Schmiedeöfen sind aktiv. Sie werden mit Holzkohle befeuert. An den Seiten ist jeweils ein großer Blasebalg angebracht. Teilweise wird dieser mit einer Fahrradkette bewegt. Die Schmiede kaufen ihren Rohstoff in Lomé. Sie fertigen Werkzeuge, Ackergeräte, Klein-Waffen wie z.B. Pfeile und Kleingeräte für den Haushalt, wie Türschlösser. User Fahrer Salifou kauft sich eine Machete und wir kaufen Tischglocken, um damit an unserem Stand am Weihnachtsmarkt die Besucher aufmerksam zu machen. In Togo werden diese Glocken häufig in den einheimischen Restaurants auf den Tisch gestellt, damit die Gäste die Bedienung aufmerksam machen können.
Das nächste Ziel ist eine Weber-Kooperative. Dort ist aber derzeit nur eine Meisterin anwesend. Es gibt wohl einige Lehrlinge, allerdings ist die Meisterin an einem Webstuhl beschäftigt und nicht sehr gesprächig. Nebenan ist eine Schlosserei. Dort ist ganz schön was los. Gerade wird ein Teil von einer Tür mit einem Hammer bearbeitet, eine andere Tür liegt auf einem Gestell und wird von mehreren Personen angestrichen. Eine andere Gruppe steckt verschiedene Nägel in den staubigen Boden und spannt blaue Schnüre darum. Sie stecken die Maße und Winkel für ein Teil eines Dachstuhls aus Metall ab. Wir erfahren, dass in diesem Betrieb ca. 30 Personen arbeiten und 11 Lehrlinge beschäftigt werden. Auch hier ist es so wie in vielen Ausbildungsbetrieben in Togo, dass ein fertig ausgebildeter Lehrling zuerst einmal 6 Monate nach Ausbildungsende ohne Lohn für den Meister arbeitet – quasi als „Dankeschön“ für die Ausbildung, die er ja ebenfalls bezahlen mußte.

Später gehen Uschi, Klaus und Silvia mit Aimé und Salifou auf den Markt in Atakpamé. Sie kaufen etwas Reis und Pfeffer und lassen sich die einheimischen Auslagen erklären. Am Nachmittag wird das Patenkind Azia besucht. Der Vater hat hier in einem Hotel in Atakpamé eine Stelle als Kellner erhalten. Zuvor war er ein einem Hotel in Kpalimé und später dann in Lomé. Der Betrieb ist verkauft worden und sein Vertrag ist ausgelaufen. Daher mußte er sich eine neue Stelle suchen und arbeitet nun im Hotel Le Sahelien in Atakpamé. Azia ist Halbwaise und hat früher bei den Großeltern gelebt. Da die Familie nun über ein festes Einkommen verfügt und mit dem Standort Atakpamé außerhalb der Reichweite der üblichen Projekte von Togo-Hilfe liegt, wird die Patenschaft zum Jahresende beendet. Azia geht in die 8. Klasse und sie arbeitet gut in der Schule. Ihre Halbbrüder gehen in die fünfte Klasse und in die dritte Klasse, der Kleinste geht in den Kindergarten. Die Stiefmutter ist Schneiderin. Nach dem Besuch bei Azia schauen sich Uschi, Klaus und Silvia mit Aimé die Kathedrale von Atakpamé an. Es gibt dort einen Bischof Nikodemus, der eine sehr schöne Singstimme hat. Anschliessend geht es zurück zum Hotel.


Michael fährt um 07.30 Uhr mit Herrn Milz ( HWK zu Köln ) zum Hotel „ISIS“. Das Hotel liegt am Stadtrand von Atakpamé Richtung Lomé, ist noch recht neu und hat einen großen Saal mit jeglicher Technik ausgestattet, die für solche Veranstaltungen benötigt werden.
Um 09.00 Uhr beginnt die Veranstaltung mit einem PP-Vortrag mit 12 Folien vor 70 Personen.

 

Eingeladen und gekommen sind: Der Präfekt, Vertreter der Gemeindeverwaltung, der regionalen Präfektur, der IHK, der GIZ/ PRODEC der Handwerkskammern, sowie div. Verbände und Wirtschaftsunternehmen. Dazu noch eine Vielzahl Journalisten der schreibenden Zunft, wie auch von Rundfunk und Fernsehen!

Wie bereits am Vortag, zeigte auch jetzt Herr Milz sein umfangreiches Wissen und außergewöhnliches Engagement und erläuterte die Themen ausführlich. Diesmal war wirklich geplant, dass Michael den Vortrag in Deutsch hält, Herr Milz sollte dann in‘s Französische übersetzen. Auf Bitten der einheimischen Kammer wurde jedoch auch dieses Mal erwartet, dass auch in „Mina“ übersetzt wird. Da ein solcher Vortrag in 3 Sprachen abgehalten, sicherlich nicht zielführend ist, wurde „Deutsch“ weggelassen.
Thema des Vortrages:
„Partnerschaft zwischen der Union des Chambres Régionales de Métiers du Togo und der Handwerkskammer zu Köln“.


Oberziel:
Die politischen und institutionellen Rahmenbedingungen zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Union ( KMU ) und Handwerker sind verbessert.


Projektziel:
Die nationale Interessenvertretung sowie regionale Handwerkskammern leisten einen Beitrag zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU und Handwerkern in Togo. Hierzu wurden 3 Ergebnisse vorgestellt.
Nachfolgend einige Fragen und Themen, die der Vortrag behandelte:

  • Wie kann eine lokale Wirtschaftsförderung erreicht werden?
  • Bestandspflege bei Betrieben
  • Erweiterung von Wirtschaftsflächen
  • Unterstützung zur Betriebsgründung
  • Vernetzung der Betriebe
  • Zu diesen 4 Punkten wurden viele Vorschläge aufgezeigt.
  • Wer und was ist die lokale Wirtschaft?

Alle (!) Beteiligten waren sehr aufmerksam, keine/r schlief oder hat vorzeitig den Raum verlassen. Auch jetzt wieder ein Indiz dafür, dass das Thema wieder richtig aufgearbeitet war und gut rübergebracht worden ist.
Herr Milz: Wiederum toll gemacht! Planung und Durchführung, super professionell. HWK zu Köln: Klasse Engagement durch Herrn Fuchs, er zeigt auch Verantwortung für die sogen. 3.Welt seitens der HWK zu Köln!
 
Im Anschluss fand eine rege Diskussion statt. Es ist Michael klar, dass die aufgezeigten Themen für die meisten Anwesenden neu waren, ja sogar vielleicht auch utopisch geklungen haben. Doch wie das wohl überall auf der Welt ist, gibt es immer Chancen- und Bedenkenträger. Deutschland ist bei Letzteren ja ziemlich weit vorne meint Michael, was ihn immer wieder ärgert!
Allerdings zeigte sich in der Diskussion nur ein (!) wirklicher Kritiker. Wenn Michael ihn richtig verstanden hat glaubt dieser nicht, dass solche empfohlenen Strukturen in Togo aufgebaut werden können. Aber, er bekam keinen Beifall von den anderen Anwesenden. Die Tendenz scheint also gut zu sein!
Geplant war die „Exposé suivi de Debat“ bis 12.30 Uhr. Um 13.15 Uhr hat dann der Versammlungsleiter freundlich aber bestimmt das Schlusswort gesprochen. Das anschließend angebotene „Déjeuner collectif“ ( Buffet ) war sehr lecker und wurde von allen Teilnehmern gerne angenommen.
 
Die beiden beschriebenen Veranstaltungen wurden gemeinsam vom „CRM Plateaux“ und Herrn Joachim Milz von der HWK zu Köln = „coopération allemande“ organisiert. Michael wurde von dem Hauptabteilungsleiter der Handwerkskammer zu Köln, Herrn Ferdinand Fuchs, der für die Auslandseinsätze verantwortlich/ zuständig ist gebeten, als „Experte“ mitzuarbeiten zum Thema: Vorschläge für „eine verbesserte Handwerksförderung auf Gemeindeebene in Togo“. Finanziert wird das Ganze vom BMZ ( Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ) und von „sequa gGmbH“.


Auch hier das Fazit:
Wie am Vortag, so lobt Michael auch jetzt, was die HWK zu Köln hier auf die Beine stellt. Das Know How der Herren Fuchs und Milz merkt Michael bei allen Aktivitäten in Atakpamé. Er wünscht sich, dass das einheimische Handwerk sowie deren Organisationen die große Chance nutzen und nicht nur mit der HWK zu Köln zusammenarbeiten, sondern nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ von Michael's Verein „Togo-Hilfe e.V.“ auch engagiert an den großen Zielen arbeiten und voran bringen!
Michael, der das 20. Mal in Togo ist, hat ein Prinzip: Nie nach 18 Uhr auf den Straßen in Togo unterwegs sein.
Aus diesem Grund blieb er ( und damit auch die Anderen der Gruppe ) an dem Abend im Hotel „Luxembourg“.