2. Tag - Togoreise 2025

Eine erholsame Nacht auf einer harten Matratze mit leiser Klimaanlage. Kaum lag der Kopf auf dem Kopfkissen, und schon summte die erste Mücke um meine Ohren. Egal. Nobite wird sie abhalten. Damit entschwand ich in den Schlaf. Der Kampf um das Bettlaken endete zwischen Michael und mir 1:1. Erster Teil der Nacht für mich, dann für Michael. Alles ganz friedlich. Die Dusche am Morgen war richtig erfrischend. Egal, wie rum der Wasserhahn gedreht wurde. Alles eine Temperatur. Vor dem Frühstück ein Blick zum Strand. Oh, wo ist er? Das Meer hat sich nach und nach alles genommen, und sogar die Strandterrasse vom Novelo Star ist ins Meer gestürzt. Das Hotel schützt das Ufer jetzt mit dicken Felsbrocken. Ein verzweifelter Versuch, der nur etwas Zeit bringt. Die Security ist auch hier präsent. Die Gäste sollen sich sicher fühlen. Nach dem Frühstück holt uns Salifou, unser treuer Fahrer seit Jahren, mit dem Kleinbus ab. Alle Koffer auf den Dachträger, und ab geht es Richtung Hafen und weiter entlang der Uferstraße zur Deutschen Botschaft. Salifou trägt die Brille, die Michael ihm gefertigt hat. Das beruhigt bei dem Verkehr! Es wuselt auf den Straßen. Autos, Motorräder, Busse, Radfahrer und Fußgänger – alle teilen sich den Verkehrsraum. Transportprobleme gibt es keine. Motorräder neben Ziegen im Kofferraum, die Leiter auf dem Moped haltend, Holz auf dem Autodach und 5 Personen auf dem Motorrad – alles selbstverständlich. Die Hupe wird zum wichtigsten Bestandteil. Wir kämpfen uns durch zur Botschaft. Sie liegt an der Uferstraße, kurz vor der Grenze nach Ghana. Michael gibt einen Christstollen ab. Wir werden den Botschafter nächste Woche besuchen. Es dauert lange, bis wir Lomé verlassen. Die Hauptstadt wird von Jahr zu Jahr größer. Auch hier: Landflucht. Unterwegs kaufen wir die beliebten Erdnüsse in der Flasche – lecker! 

Mittags erreichen wir unser Hotel in Kpalimé. Wir sind erstmals in der Dependance des Hotels, Park Residence – dem Annexe. Wunderschön gelegen, am Ortsausgang von Kpalimé Richtung Kloto, von Grün umgeben und mit toller Aussicht auf die hügelige Waldlandschaft. Ein Paradies. Wir sind die einzigen Gäste. Die Zimmer sind groß und sauber. Hier werden wir uns sicherlich wohlfühlen. Das schon von unterwegs vorbestellte Mittagessen nehmen wir auf der überdachten Terrasse ein.

 

Nach dem leichten Essen stehen zwei Besuche bei jungen Frauen an, die über Paten der Togo-Hilfe unterstützt werden. Wir besuchen gegenüber dem Ausbildungszentrum Agerto, das die Togo-Hilfe lange Jahre unterstützt hat, die 24-jährige Michelle. Sie wuchs, wie man heute sagen würde, in schwierigen Verhältnissen auf, in denen Übergriffe zur Tagesordnung gehörten. Mensan, der Chef von Agerto, ermöglichte ihr eine Schneiderlehre. Diese schloss Michelle mit Bravour ab und lernte dann noch bei einer Meisterin Kunstschneiderei. Nun ist sie in einem kleinen Atelier selbstständig. Das Holzkohlenbügeleisen vor der Tür verrät, dass hier eine Schneiderin ihre Dienste anbietet. Die Lage ist leider etwas abgelegen. Sie hat für Silvia, deren Maße sie letztes Jahr aufgenommen hat, ein wunderschönes Kleid geschneidert. Michelle trägt es auch. Traumhaft. Derzeit betreut sie auch Messan, Ihren Ziehvater, denn er ist – wohl nach einem Schlaganfall – an Beinen und Armen gelähmt. Wir haben Tränen in den Augen. Erneut, auch hier: Was für eine tolle junge Frau! Ohne die Unterstützung wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen. 

 

Wir fahren in Kpalimé weiter zu Rebecca. Sie ist Weberin. Kommt aus Ghana und hat auch bei Agerto die Ausbildung abgeschlossen. Ein kleiner Webstuhl in einer bescheidenen Werkstatt ist ihr Arbeitsplatz. Leider ist auch ihr Geschäft sehr abgelegen. Ein Geschäft an einer belebten Straße ist das Ziel – aber noch zu teuer. Rebecca hat 2 Kinder – 2 Jahre und 5 Monate alt. Ihr Mann möchte sich als Schweißer selbstständig machen und spart zurzeit als „Holzkohlemacher“ das Geld dafür. Wir gehen mit der jungen Familie in ihre nahe Wohnung. Zwei bescheidene Räume. Bei uns höchstens Gartenschuppen. Mit den weiteren Bewohnern in dem Hinterhof wird sich die Kochstelle und der Brunnen geteilt. Arme Verhältnisse. Aber Rebecca und ihr Mann haben eine Zukunftsperspektive.

 

Wir fahren mit vielen Eindrücken zurück ins Annex. Es sieht wirklich aus wie das Park Residence. Ist aber von einem Schweizer errichtet worden. Kodjo, der Eigentümer vom Park Residence, hat das Hotel gepachtet. Er spricht gut Deutsch. Was für eine Ruhe, umringt von Wald und dem Grün. Ein Genuss für die Sinne. Heute früh der Trubel in Lomé – jetzt die Entspannung in der Natur. Das Abendessen wird natürlich frisch zubereitet. Dafür muss man Zeit mitbringen. Die haben wir. Ein Tag, der wieder exemplarisch gezeigt hat, was die Togohilfe jungen Frauen für eine Chance gegeben hat, geht zu Ende. Was tut es gut, dies mitzuerleben!