Story über das Patenkind Julie

„Yes! Endlich habe ich es geschafft! Es war ein langer Weg, aber ich habe es durchgestanden! Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass meine Mama dabei gewesen wäre, um diese unvergesslichen Momente mit mir zu erleben. Gott hat es anders entschieden. Aber er hat mir auch eine zweite Mutter gegeben. Hildegard, die mir geholfen hat, meinen Traum zu verwirklichen.“

 

Als Julie im Februar dieses Jahres ihre Lehrabschlussurkunde erhielt, drückte sie ihre Emotionen mit diesen Worten aus. Mit Mama meinte sie ihre leibliche Mutter Fabienne, und mit zweiter Mutter ihre langjährige Patin und Unterstützerin Hildegard.

 

Alles begann im Jahr 2006, als eine Delegation der Togo-Hilfe einen Kindergarten in Agome-Kusuntu besuchte. Dieser wurde durch eine Elterninitiative gegründet. Hier arbeitete Fabienne als Kindergärtnerin, mit einem Monatsgehalt von ca. 15,00 €, für 9 von 12 Monaten. Ihre Tochter Julie war damals 7 Jahre alt. Was besonders tragisch ist, Julie leidet an einer unheilbaren Krankheit, der „Sichelzellenanämie“. Es wurde damals gesagt, dass sie vermutlich nicht älter als 12 / 13 Jahre alt werden würde. Diese Krankheit verursacht immer wieder starke Fieberanfälle und Atemnot und erfordert Krankenhausaufenthalte. Diese müssen allerdings auch bezahlt werden! Spontan hat der 1. Vorsitzende der Togo-Hilfe zusammen mit der Beauftragten der Patenschaften beschlossen, Julie in das Patenschaftsprogramm der Togo-Hilfe mit aufzunehmen. Es wurde auch sehr schnell ein Pate gefunden. Mit einer zusätzlichen monatlichen Unterstützung von 30,00 € für das Mädchen war dies eine große Entlastung für die alleinerziehende Mutter. Leider beendete der Pate die Patenschaft nach nur 16 Monaten. Zum Glück wurde sofort eine neue Patin gefunden, die Julie seit Anfang 2008 unterstützt, anfänglich mit 30,00 € monatlich, und dann mit 50,00 €.

 

10 Jahre nach Antritt dieser Patenschaft erlebte Julie einen großen Schicksalsschlag: Ihre Mutter verstarb überraschend nach kurzer Krankheit. Es war erst wenige Jahre her, dass Fabienne durch Vermittlung der Togo-Hilfe einen Job im Ausbildungszentrum AGERTO bekommen hatte. Der Tod ihrer Mutter war schrecklich für Julie, denn sie hatte eine enge Bindung zu ihr. Sie fühlte sich allein gelassen und beschloss, zu ihrem Vater zu ziehen. Der Vater lebt in Atakpamé, einer Stadt ca. 100 km nördlich von ihrem bisherigen Wohnort. Er arbeitet als Sekretär in einer katholischen Schule. Julie lebte bis dahin bei ihrer Mutter, Großmutter und Tante. Julie ging dann in Atakpamé zur Schule und machte dort ihr Abitur, allerdings erst im 2. Anlauf, da sie wegen ihrer Krankheitsschübe immer wieder ins Krankenhaus musste. Nach dem Abitur wollte sie gerne in Lomé Kommunikation oder Geografie studieren. Alternativ wäre auch eine Ausbildung im Gesundheitsbereich in Frage gekommen. Wegen ihrer gesundheitlichen Probleme wollte ihr Vater aber nicht, dass sie allein in Lomé lebt.

Schließlich entschied sie sich für eine einjährige Berufsausbildung zur Dekorateurin. Um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, beschloss sie, die Dekoration mit einer Ausbildung zur Kosmetikerin zu kombinieren. Diese Lehre dauerte ebenfalls 1 Jahr und endete im Dezember 2024. Im Februar erhielt sie die Bescheinigung über den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung. Der Koordinator von Togo-Hilfe, Aimé Dogo, reiste extra an, um der Übergabezeremonie beizuwohnen. Es waren unvergessliche Momente für Julie und die ganze Familie.

Aufgrund ihrer wiederholten Anfälle und Krankenhausaufenthalte glaubten nur wenige, dass Julie die beiden Ausbildungen abschließen würde. Auch sie selbst war unsicher, aber trotzdem immer voller Hoffnung, und das zahlte sich aus! Knapp 2 Monate nach Erhalt der Urkunde eröffnete sie ein Kosmetikstudio (SUBLIM ´S CREA) mit der finanziellen Unterstützung ihres Vaters und ihrer langjährigen Patin, die ihr zu diesem Zweck eine besondere Spende zukommen ließ. Ist das nicht eine großartige Erfolgsgeschichte!

Das Patenschaftsprogramm der Togo-Hilfe verzeichnet viele dieser Arten von positiven Geschichten: Durch gezielte Förderung der Bildung von Kindern und Jugendlichen erhalten diese eine nachhaltige Chance, eigenständig ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Eine Geschichte wie die von Julie motiviert uns täglich aufs Neue, uns ehrenamtlich in Togo, einem der ärmsten Länder der Welt, zu engagieren.