4. Tag - Togoreise 2025

Die Umstellung für den Magen ist für uns Mitteleuropäer in Togo immer mit besonderen Darmaktivitäten verbunden. Zum Glück ist die Toilette schnell vom Bett aus zu erreichen. Wir genießen trotzdem unser Frühstück und werden dann von Aimé und Salifu abgeholt, um mit Hyacinthe, der die Idee hatte, eine Schokoladenmanufaktur in Kpalimé zu besichtigen. Es ist für uns immer interessant junge „Start-Ups“ als gute Beispiele kennen zu lernen. Bella, die Chefin von Denyigba Cacao, begrüßt uns in ihrer kleinen Produktion. Die Schokoladenfabrik ist genossenschaftlich organisiert. 24 Frauen auf den Farmen und 8 Frauen in der Produktion bilden den Kern. Bella, die eigentlich aus Lomé stammt und dort ihren Bachelor gemacht hat, hat die Firma 2016 in Kpalimé gegründet, weil sie trotz gutem Job, etwas Neues wagen wollte. Sie hat sich immer gewundert, dass in Togo nur das Kakaopulver bekannt ist, aber alle weiteren Kakaoprodukte unbekannt sind. Es wird von ihr nur Kakao aus der Region verwendet. Die Produktion der Manufaktur reicht von Schokolade (Vollmilch, Zartbitter und Ingwer), Kakaopulver, „Nutella“ ohne Milchpulver, gerösteten Kakaobohnen, Seife, Kakaobutter bis hin zu Creme. Bella will zeigen, dass Kakao aus Togo mehr kann. Sie hat in Ghana bei der Schokoladenherstellung und in der Elfenbeinküste bei der Herstellung von Kakaopulver hospitiert. Den Rest „erlernt“ Bella aus You-Tube-Videos. 

Der Start war trotzdem nicht einfach. Es mussten Geräte angeschafft und für den Verwendungszweck umgestaltet werden. Wir trinken einen Kakao und probieren die Schokolade. Beides schmeckt richtig gut – nicht so bitter wie wir es bisher kannten. 2020 lernt Bella eine Französin, die Försterin und bei einer NGO aktiv ist, kennen. Über diesen Kontakt kann sie eine hilfreiche Ausbildung in Frankreich absolvieren. 2023 hat die Manufaktur bei einem internationalen Wettbewerb in Frankreich eine Medaille gewonnen. Auch jetzt ist Bella gerade von einem Kakao-Festival – dem „Salon du Chocolat Vertueux & des Gourmandisses Artisanales“ in Orchamps, Frankreich – zurückgekehrt. Ende 2024 leider ein enormer Schicksalsschlag, denn in der Silvesternacht brennt die kleine Fabrik völlig ab. Alles ist zerstört. Der Wiederaufbau ist im Gange. Derzeit kann Bella mit den neuen Zentrifugen nur 10 kg Schokolade in 5 Tagen herstellen. Wir besichtigen die Schokoladenherstellung. Bella berichtet, dass sich die Erntezeit für Kakao durch den auch hier merkbaren Klimawandel nach hinten verschoben hat. Die Ernte ist gut – anders als zurzeit in der Elfenbeinküste. Dort hat der Einsatz von Pestiziden die Ernte minimiert. In der Genossenschaft wird auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet. Es werden stets neue Kakaosetzlinge gepflanzt. Nach 3 Jahren tragen sie erste Früchte. Die Pflanzen werden 50 Jahre alt. Nach dem Besuch der abgebrannten Produktionsstätte und natürlich einem Großeinkauf, verabschieden wir uns von Bella. Eine mutige Frau in Togo. Wie so oft sind es die Frauen, die etwas wagen und dann auch umsetzen.

Den Mittag verbringen wir wieder auf der Terrasse und im Pool vom Hotel Parc Residence. Tony, der für die Togo-Hilfe beim Innenausbau vom Mädcheninternat im Ausbildungszentrum in Devikimne hilft, stößt zur Besprechung zu uns. Es geht auch um seine Hilfe bei den Bauten für die Gehörlosenschule in Adeta.

 

Der Nachmittag gehört der Youth Harmony Music School aus dem Ortsteil Kusuntu. Der Ortsteil von Kpalimé hat 7500 Einwohner. Wir werden an der Rue Rheinbach in Kpalimé empfangen und von der Musikkapelle bis zum Wohnhaus vom Dorfchef Togbi begleitet. Seine Nichte Jeanette Müller, die wir ja schon in Abidjan am Flughafen getroffen haben, unterstützt von München aus mit ihrem Verein Akosiwa diese Musikschule. Die Togohilfe hat Transporte von Deutschland nach Togo für die Musikschule organisiert. Es erwärmt sofort das Herz zu hören mit welcher Inbrunst die Jugendlichen die Instrumente, von Trompete über Posaune bis Trommel, spielen. Die uns begleitende Bevölkerung tanzt auf der Straße. 20 Schüler umfasst die Musikschule, weitere 10 stehen schon in den Startlöchern. Sie soll einmal auf 100 Schüler aufwachsen, mit einer eigenen Spiel- und Probestätte ausgestattet und zugleich der Mittelpunkt eines Kulturzentrums zur Erhaltung der traditionellen Kultur von Kusuntu werden. Jeanette hat Großes vor. Sie träumt sogar von einem Kultur-Radiosender für Kusuntu. Die Musiker spielen unentwegt weiter. Der Musiklehrer Philipp übt ehrenamtlich dreimal die Woche mit den Schülern. Beim Dorfchef werden die Nationalhymnen gespielt. Anschließend die obligatorischen Reden.

Dorfchef Togbi dankt für die jahrelange Unterstützung seines Ortes Kusuntu durch die Togohilfe. So haben wir in fast 25 Jahren Schulbauten, Kindergarten und Brunnen errichtet, aber auch eine Maismühle gespendet und Augenprüfungen durchgeführt. Die Dorfältesten sind anwesend und tanzen eifrig mit den Kindern zur unentwegten Musik der Blaskapelle. Wir werden zum „Imbiss“ gebeten. Dorade mit Kochbananen, Yams- und Kartoffelfritten. Zum Abschluss Palmwein aus Alabasterschalen. Schmeckt wie Federweißer. Hoffentlich bleibt der durchschlagende Erfolg aus. Die Musiker geben immer noch alles. Seit 2 Stunden spielen sie, was das Zeug hält. Immerhin sind es immer noch 30 Grad. Was für eine Energie. In der Dämmerung verabschieden wir uns, da wir vor der völligen Dunkelheit im Hotel sein wollen. Von Beginn der Dämmerung bis zur absoluten Dunkelheit vergeht knapp eine halbe Stunde. Dann ist es auf den schwach beleuchteten Straßen mit den oft unbeleuchteten Fahrzeugen, sowie den Fußgängern einfach zu gefährlich. Die Dorfälteste verabschiedet uns und hofft, dass wir uns noch oft sehen. Auch hier haben wir wieder erlebt, wie kleine Hilfe Großes bewirken kann. Ein bemerkenswertes Projekt genau dort, wo man es nicht vermutet. Jedes ausrangierte Instrument und jeder Notenständer können hier noch gute Dienste leisten. Diese Ausdauer und Begeisterung der Bevölkerung mit und bei Musik ist in Togo ein Phänomen. Zurück im Hotel tauschen wir uns über das Erlebte aus.