5. Tag - Togoreise 2025

Das Männerzimmer hat wieder mitteleuropäische Verdauungsnormalität erreicht. Heute ist UN-Weltkindertag. Da passt es gut, dass wir heute die Gehörlosenschule APEM in Adeta besuchen. APEM ist die Abkürzung für „Association pour la Promotion de L‘Enfant Malentendant“. Auf deutsch: Vereinigung zur Förderung des hörgeschädigten Kindes. Wir fahren nach dem schon bekannten Frühstück in unserem kleinen Bus zum neuen Verwaltungssitz der kleinen Organisation in Kpalimé. So werden wir direkt wachgerüttelt. Im alten Verwaltungssitz wurde eingebrochen. Das neue Gebäude ist stabil gebaut, nah am großen Markt und umfasst neben dem Empfang, noch einen Besprechungsraum, das Direktorenzimmer und den Raum für die Mitarbeiter. Wir haben für APEM schon einiges an Unterstützung geleistet. Von Lehrmaterialien, über Wasserversorgung bis Schulbau. Direktor Nestor begrüßt uns mit seiner Sekretärin und Buchhalterin Eldette. Nestor möchte die Vereinigung mit weiterem Personal ausstatten, was bei derzeit 33 betreuten Kindern doch etwas ambitioniert erscheint.Allerdings sind es am Schulstandort in Kpalimé mehr Kinder. Es sind durchweg Kinder, die ohne APEM nie eine Schule besuchen könnten. APEM beschult die Kinder mit ehrenamtlich tätigen Lehrkräften und holt die Kinder oftmals im Umfeld der Schule aus dem Busch ab. APEM wird von weiteren NGO’s unterstützt. Wir erklären Nestor, dass wir keine Verwaltungsmitarbeiter oder Lehrkräfte fördern, sondern nur die Voraussetzungen für die Beschulung der benachteiligten Kinder schaffen. Auch die gelegentlichen Aufwandsentschädigungen für die Lehrer muss APEM stemmen. Von einer englischen Organisation ist Nestor gerade zu einem der TOP100-Erzieher Afrikas ernannt worden. Die Auszeichnung wird nächstes Jahr in Accra, Ghana verliehen.

 

 

Wir fahren weiter nach Adeta, etwa 35 Minuten von Kpalimé entfernt. Selbst auf dieser Strecke gibt es drei Kontrollposten von Polizei bzw. Militär. Wir werden stets freundlich durchgewunken. In Adeta erspähen uns die Schüler, als wir aus dem Bus aussteigen. Sie laufen auf uns zu und umarmen uns. Was für eine Begrüßung! Wir kommen zur Grundsteinlegung – es ist schon fast Richtfest – für die Tiefenbohrung, das neue Schulgebäude und die Toilettenanlage. Anwesend sind neben Rektor Nestor auch der Dorfchef Togbé Eku Masi Kludzé II, der Vertreter des Sozialministeriums, der Regionaldirektor für Bildung in der Region West-Plateaux und der Vertreter der Elternschaft, der selbst Beinamputiert ist. Die Schüler wuseln neugierig um uns herum. Die Reden fallen in der prallen Sonne – um die 32 Grad sind es immer im Schatten – erfreulich knapp aus. Die Honoratioren danken uns für die Unterstützung, die die Togohilfe seit 2017 leistet. Es wird auch der Regierung gedankt, dass sie sich so bemüht (aber nichts beigesteuert) hat. Michael betont in seiner Rede, dass dies eine Gemeinschaftsspende verschiedener Organisationen aus Rheinbach, Rheda-Wiedenbrück und darüber hinaus ist. Auch die Deutsche Stiftung Evolution, deren Vorsitzender ich bin, hat einen Beitrag geleistet. Die Fliesen für die Ausstattung hat die Deutsche Steinzeug gestiftet. Tony, der uns begleitet, wird den Einbau vornehmen. Er lernt vor Ort zusätzlich die Arbeiter an. Michael drückt abschließend die Hoffnung aus, dass das Projekt im Sinne des Mottos der Togo-Hilfe „Hilfe zur Selbsthilfe“ verstanden und gepflegt wird. Es werden zum Abschluss der Zeremonie drei Bäume – Mangobäume – gepflanzt. Einer vom Dorfchef, einer von der Togo-Hilfe und einer von den Schulkindern. Im Rohbau befinden sich die Tiefenbohrung und die Toilettenanlage. Das neue Schulgebäude ist bereits mit Bindfäden eingemessen und wird auf dem von der Togo-Hilfe gekauften Grundstück in Kürze errichtet. Wir sprechen noch mit zwei Kindern, die die Togohilfe zusätzlich unterstützt. Luc Konou ist ein kleiner Junge, dem der Schultransport finanziert wird. Lamy Lawomy ist ein taubstummes Mädchen, das auch bereits einmal für den Togokalender interviewt wurde. Sie hat als Kleinkind immer mitbekommen, wie die „normalen“ Kinder zur Schule gingen und sie weinen musste, weil sie es nicht durfte. Eine weiße Freiwillige der Baptistengemeine aus Kpalimé unterstützt bei APEM beim Unterricht in der Schule. Wir verabschieden uns und werden immer wieder gedrückt und umklammert. Man spürt, wie sehr die Hilfe hier notwendig ist und dies für die benachteiligten Kinder ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft ist.

Mittags sind wir erneut im wirklich tollen Hotel Parc Residence. Die Gemüsesuppe mit Einlage bringt mich auf mindestens 35 Grad. So habe ich im November noch nie geschwitzt. Also Vorsicht bei der Essensauswahl! Anschließend ist noch was Einkauf bei Schnitzer Bernard in Kpalimé angesagt. Ein paar Geschenke für zu Hause und ein paar Kleinigkeiten für den Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt passen immer in die Koffer. Bernard sitzt, mit den blanken Füßen den Holzklotz umgreifend, auf dem Boden und bearbeitet mit Meißel und einer Art Hammer das entstehende Kunstwerk. Ich habe nachgezählt – er hat noch alle Zehen. Hyacinthe bringt mir die Karten der Kunstwoche der Kinder von Zukunftschance mit den Weihnachtsgrüßen für die Paten in Deutschland. Weiter auf dem großen Markt in Kpalimé kaufen wir noch Pfeffer ein. So ein afrikanischer Markt ist immer ein buntes Erlebnis. Es wird fast alles feilgeboten. Die Gerüche, besonders vom getrockneten Fisch, muss man allerdings aushalten.

 

Abends haben wir die Gerüche immer noch in der Nase und die Geräusche in den Ohren. Morgen heißt es Abschied von Kpalimé nehmen. Also genießen wir den Abend auf der Terrasse. Zur Vorsicht immer mit langer Hose, Socken und langärmligem Hemd.