6.Tag - Togoreise 2025

Reisetag! Das bedeutet Koffer packen – zumindest so, dass auch alles im Koffer verstaut ist. Schokolade kommt besser in die Tasche in den Bus, da die Temperatur im Koffer auf dem Dach bestimmt die 40 Grad erreicht. Es wird wieder warm heute. 34 Grad sind angesagt. In der Luftfeuchtigkeit fühlt es sich noch höher an. Seit gestern Abend ist der Strom ausgefallen. Das Hotel verfügt über ein Notstromaggregat, so dass wir nichts davon gemerkt haben. Nur das Rattern der Anlage hat es uns verraten. Wir brechen nach dem Frühstück – es gab sogar Mango auf dem Früchteteller – auf nach Atakpamé. Es sind gut 100 km. Die Straße ist, im Gegensatz zu den ersten Jahren in Togo, ein Genuss. Lediglich die heftigen Schweller in den Ortschaften bremsen die Geschwindigkeit. Salifou gibt wie immer alles, um zu beweisen, dass er der Schnellste ist. Wir fühlen uns trotzdem stets sicher von ihm gefahren. Es geht an Reisfelder vorbei. Togo produziert inzwischen viel Reis. Es ist auch alles schön grün. Die Bäche führen Wasser. Sogar Wasserfälle sind in den nahen Bergen zu erkennen. Dort ist auch das Rückzugsgebiet der Fledermäuse. Auf dem Bergplateau ist ein Aussichtslokal zu erkennen. Dort hat die Togohilfe auch schon mal Pause gemacht. Die Orte hier fangen alle mit „Kpele“ an. Das bedeutet „Stein“. Steine und Steinplatten werden an den Straßenrändern zum Kauf angeboten. Ebenso sehr viel Holzkohle in riesigen Säcken. Wir kaufen einer Händlerin, die ihr Kind auf dem Rücken trägt, Bananen ab. Sie hat ihr Tagesgeschäft gemacht. Das Kind bekommt ein Tütchen Haribo. Sicherlich zum ersten Mal. Die Bananen hier sind klein und haben einen intensiven Geschmack. Wir genießen es.  Salifou lässt vorsichtshalber die Luft in den Reifen prüfen, denn die Straße hat doch wieder das ein oder andere Schlagloch. Der Ersatzreifen auf dem Dach – nicht mehr der Jüngste – kommt hoffentlich nicht zum Einsatz. Wir kommen an vielen Schulen vorbei. Es gibt aber auch jede Menge Schüler in Togo. Der Schulweg entlang der „Bundesstraße“ wäre bei uns undenkbar. Sie gehen auf der Fahrbahn und wenn man hupt, springen sie zur Seite – hoffentlich. Die Erde ist rot. Das ändert sich auch bis Atakpamé nicht. Um 11:30 Uhr sind wir da. Die Stadt liegt auf 7 Hügeln und war lange Königsstadt. Atakpamé liegt an der Kreuzung der Haupthandelsrouten Nord-Süd und Ost-West in Afrika und hatte daher früh eine besondere Bedeutung. Die Metallverarbeitung hat hier seit vielen Generationen eine Hochburg. Wir haben vor Jahren noch die Riesenblasebälge aus Tierhaut gesehen, die – von Hand betrieben - die Luft Richtung Glutofen bliesen.

 

 

Wir besuchen Julie, die Tochter von Fabienne. Fabienne kennen wir seit vielen Jahren. Sie war Kindergärtnerin im französischen Kindergarten in Kusuntu und später Leiterin des Verkaufshops beim Ausbildungszentrum Agerto. Ihre Tochter Julie leidet unter der Sichelzellenanämie und hatte daher als kleines Kind kaum eine Überlebenschance. Togohilfe hat hier mit der Bezahlung von Ärzten und Medikamenten geholfen. Nun ist Julie ausgebildete Kosmetikerin mit eigenen „Studio“ in Atakpamé. Sie zeigt uns stolz mit Ihrem Vater und ihrer Tante ihren Arbeitsplatz. Klein und bescheiden – aber eigen. Sie behandelt ihre Kundinnen vom Makle Up bis zur Nagelgestaltung. Alle Finger mit Nagellack zu versehen, kostet nur 200,- CFA, das sind gerade einmal 30 Cent. 10 bis 15 Kundinnen kommen die Woche.

Wir nehmen Julie mit nach Lomé, da sie dort einen Auftrag hat. Über Atakpamé fliegen hunderte von Flughunden. Ein Schauspiel! Die 165 km nach Lomé „ziehen“ sich, denn die Strecke ist die Hauptstrecke der LKWs aus dem Hafen von Lomé in Richtung Burkina Faso und zum Teil auch wieder zurück. Unglaublich wieviele LKWs hier überladen und sicherlich nicht im für unsere Verhältnisse sicherem Zustand unterwegs sind. Alle paar Kilometer liegt irgendwo ein LKW, der hier sein Lebensende gefunden hat. Verschiedene Umladestationen und unzählige Dienstleister für Reifen, Karosserie und Technik befinden sich entlang der Strecke. Über Notsé und Tsévié erreichen wir Lomé. Es ist viel los auf der Straße. Salifou schlängelt sich mal rechts und mal links durch. An der Kreuzung Richtung Hafen lassen wir Julie aussteigen. Sie verabschiedet sich. Nach drei Stunden Fahrt von Atakpamé erreichen wir- gut durchgeschüttelt - erneut das Novelo Star. Wir checken ein. Da ein Zimmer nicht storniert wurde haben Michael und ich nun jeder ein Zimmer – jeweils ein Riesenzimmer mit Riesenbad! Hoffentlich kann ich heute ohne meinen Togohilfe-Präsidenten einschlafen. Ein kühles Getränk – oder zwei -, das leckere Essen mit viel Gemüse und der Tag klingt aus. Die Grillen zirpen. Die Telenovela im Fernseher an der Bar passt irgendwie nicht zu Togo. Gute Nacht!