7.Tag - Togoreise 2025

Die Nacht war angenehm. Gut geschlafen. Erst am Morgen 2 Mücken „getroffen“. Draußen ist bereits „Getöse“ zu hören. Es ist entweder eine Prozession oder es sind Sportler, die gemeinsam beim Joggen durch die Straßen ziehen. Hört sich beides identisch an. Wie im Rheinland: Hauptsache „de Zoch kütt“. Wir frühstücken bereits um 7:00 Uhr um das heutige Programm zu schaffen. Das Frühstück im Novela Star kann mit dem in Kpalimé nicht mithalten. Auch die Croissants reißen es nicht raus. Trotzdem geht es gut gestärkt zu den ersten drei Patenbesuchen am heutigen Samstag.

 

 

Kekeli ist die Erste, die wir besuchen. Schon die Fahrt auf den Sandpisten ist ein Abenteuer. Lomé ist ein einziger, befahrbarer Markt. Wir bewundern Seli, die uns begleitet, dass sie den Weg findet. Vor uns ist plötzlich ein Teil der Sandpiste abgesperrt, denn hier spielen heute 2 Mannschaften Fußball. Ab und zu rollt der Ball in die Schlaglöcher, was zum Spiel dazu gehört. Entlang einer langen Mauer hat sich jemand einen drei Meter breiten und fünfzig Meter langen Garten angelegt und pflanzt dort Gemüse an. Auch das ist hier keine Seltenheit. „Urban gardening à la Togo“. Kekeli empfängt uns im Eingangsbereich von Ihrem Zuhause. Sie hat 2 Kinder, vier und acht Jahre alt. Der eine Sohn besucht den Kindergarten, der ältere Sohn die Schule. Ihr Mann ist Rechtsanwalt. Kekeli ist von Marga, die mit 101 Jahren gestorben ist, unterstützt worden. Kekeli war Schülerin bei der Schule von Dr. Gover in Lomé, die wir auch viel unterstützt haben. Sie hat Köchin gelernt und zunächst eine Garküche betrieben. Seit einem Jahr hat Kekeli einen Job als Köchin im Cateringbereich des Flughafens. Sie sorgt 4 Tage die Woche u.a. für das Essen auf den Air France Flügen. Der Verdienst ist trotzdem bescheiden. 70.000 CFA im Monat, das sind gut 100 Euro. Sie hat sich heute früh frei genommen und muss gleich zum Flughafen.

 

Wir verabschieden uns und fahren weiter in den Ortsteil Agbavé zu Anita, die inzwischen als Kindergärtnerin mit Zeitvertrag in einer Klasse mit 42 Schülern arbeitet. Das Monatsgehalt liegt bei 45.000 CFA, d.h. knapp 70 Euro. Sie ist 25 Jahre alt und wurde mit 5 Jahren ins Patenprogramm aufgenommen. Katja, die Tochter von Uschi war ihre Patin. Anita ist nicht verheiratet. Ihr Freund ist für 3 Jahre festangestellter Grundschullehrer. Er gibt samstags Nachhilfe. Anita wohnt quasi im Reihenhaus-Hinterhof. Einfache Behausungen mit einem gemeinsamen Zuweg und Terrasse, die auch als Küche dient. Die Nachbarin bereitet gerade die scharfe Soße für das Mittagessen vor. Auf einem rauen Stein wird jede Zutat mit einem runden Stein zerkleinert. Wie einfach und schnell! Nach der Verabschiedung folgt der Besuch bei Jean Claude, das Patenkind von Jürgen Willen, , sowie ebenfalls unterstützt von Anne und Heiko. Damit wir hinfinden holt uns Jean Claude von der Hauptstraße begleitend mit dem Motorrad ab. Jean Claude ist der Sohn von Noel, unserem ersten Fahrer in Togo. Seine Mutter ist Großhändlerin im Bereich Keramik für Togo und Benin. Wir werden auf der Terrasse empfangen. Der 13jährige Halbbruder ist auch anwesend. Jean Claude studiert noch BWL und muss vier Nachprüfungen, davon drei im Februar und eine im Juni bestehen. Es sind Statistik, Buchhaltungssoftware, Einführung ins Controlling und Wahrscheinlichkeitsrechnung. Er sucht begleitend ein Praktikum, was aber nicht so einfach ist. Vielleicht kann ihm nächste Woche seine Schwester Angel helfen, die in Benin lebt und arbeitet. Sie ist die Assistentin der Geschäftsführung in dem Betrieb des Enkels des ehemaligen Staatschefs der Elfenbeinküste. Marie José, die weitere Schwester von Jean Claude hat eine Modeschmuckboutique in Lomé und für Uschi, Silvia und Klaus jeweils eine schöne Handgelenkkette als Geschenk verpackt. Jean Claude probiert die von Jürgen gekauften Hosen an. Sie sind ein wenig zu lang. Aber sie passen. Das Kürzen ist kein Problem. Wir statten der 85jährigen Oma, die im Wohnzimmer sitzt, einen Besuch ab. Mit hellen Augen und sichtlicher Freude nimmt sie unsere Grüße entgegen. Jean Claude dankt für den Besuch und hat sich sehr über die Geschenke von Jürgen gefreut. Aimé übersetzt die Karte. Silvia kommt natürlich auch nie ohne Geschenke. Mit dabei sind immer die von Klaus geschossenen Bilder des Vorjahres.

 

 

Zurück im Hotel treffen wir Pater Jean, der in Lomé ein Priesterseminar leitet. Wir kennen ihn seit Jahren. Ab und zu ist er auch in Deutschland, u.a. bei den Steyler Missionaren. Sein Ausspruch „Vergelts Gott“ gehört immer dazu. Wir sprechen über seine Nichte Elise, die wir ja schon im Hotel zum Jahresgespräch hatten. Elise hat vom Engagement für ihre Ausbildung noch deutlich Luft nach oben.

 

Das Mittagessen genießen wir im Hotel New Robinson Plage, dass die letzten Jahre immer unser Übernachtungshotel war. Es liegt unmittelbar am großen Überseehafen, nur getrennt vom berüchtigten Slum Katanga. Irgendwie schwang immer eine Unsicherheit mit. Das Spazierengehen am Strand ist gefährlich und wird nicht angeraten. Aber es ist ein wunderschön angelegtes Hotel. Die vor Jahren schon im Meer untergegangene Küstenstraße bremst ein wenig die Brandung ab. Trotzdem holt sich das Meer jedes Jahr sichtbar Meter für Meter vom Strand zurück. Das Hotel muss jedes Jahr die Außenterrasse weiter zurückbauen und verstärken. Wir genießen das Ambiente und dazu das exzellente Essen. Seezunge vom Feinsten!

 

Weiter geht es zu Radio 93,5. Dort unterstützen wir seit vielen Jahren das wöchentliche Deutsch-Radio der Studenten. Jeden Samstag ab 14:00 Uhr (15.00 Uhr deutsche Zeit) wird eine Stunde ein deutsches Live-Programm gesendet. Der Zugang zum Studio ist abenteuerlich und für große Personen auch schmerzhaft. Togoische Betondecken sind doch stärker als der deutsche Dickschädel. Egbato begrüßt uns. Die heutige Sendung ist als Sondersendung aus Anlass des Besuchs der Togo-Hilfe konzipiert. Mit dabei sind auch vom Studententeam Jeanne und Olivier. Wir sitzen mit den dreien im Tonstudio. „L‘Allemand par la Radio“ beginnt pünktlich um 14:00 Uhr. Von ein paar kurzen Musikeinspielungen unterbrochen dreht sich alles um die Togo-Hilfe. Wir erzählen der Reihe nach von den Anfängen, der Gründung des Vereins, dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“, den Projekten, den Patenschaften und der Schwierigkeit immer genug Mittel für die Förderungen einzuwerben. Aimé übersetzt. Wir betonen, dass jede Spende 1 zu 1 in die Projekte geht und die Verwaltungskosten, wie auch der Flug nach Togo und der Aufenthalt vor Ort von den Mitgliedern bzw. Teilnehmern der Tour selbst bezahlt wird. Zum Schluss können Zuhörer in der Sendung anrufen. Die, die durchkommen bedanken sich für die Unterstützung der Togo-Hilfe für das Radio, da sie die Sendung zur Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse nutzen. Nach der Sendung macht Michael Egbato klar, dass die Förderung der Togo-Hilfe nach 18 Jahren auslaufen wird, da die eingesparten Mittel anderweitig noch nachhaltiger eingesetzt werden können. Wir machen dem Radio-Team Vorschläge wie sie sich andere Einnahmequellen erschließen bzw. auch die sozialen Medien nutzen können.

 

 

Als nächstes Treffen wir uns am Strand im Beach-Club „Eden-Plage“ mit der Holländerin Marieke van der Laan, Chefin der 2020 gegründeten Hilfsorganisation „Friendshifts“. Mit ihrer Kollegin Hendrikje ist sie zurzeit in Togo. Die Organisation engagiert sich im Bildungsbereich und hat dafür ein interkulturelles Programm aufgestellt, das sie neben Togo u.a. in Indien, Thailand und Jordanien durchführen. Sie wollen Jugendlichen aus verschiedenen Kulturen den Kontakt zueinander ermöglichen und ihnen durch Bildung und Berufsausbildung helfen. Die Organisation will dadurch Verbindungen zwischen Kindern aus unterschiedlichen Herkünften fördern, um Vorurteile abzubauen. In Togo arbeiten sie mit APEM und CAST (Centre d‘Action Sociale au Togo) zusammen. Für APEM hat Friendshifts in Adeta ein errichtetes Schulgebäude gespendet, sowie Laptops für die Lehrer. Außerdem werden von der Organisation die drei Lehrer mit monatlich 55.000 CFA (etwa 85,- €) bezahlt. Sogar für 12 Monate im Jahr, was in Togo nicht selbstverständlich ist, da die Ferienmonate oft nicht bezahlt werden. Die Bezahlung durch Friendshifts deckt sich nicht ganz mit der Aussage von Direktor Nestor, dass die Lehrer bei APEM in Adeta ehrenamtlich gegen gelegentliche Aufwandsentschädigung arbeiten. Wir werden es überprüfen. Für den Transport der Kinder wendet die Organisation in Adeta monatlich 2.100,- CFA (etwa 3,20 €) auf – allerdings nicht in den Ferien. Teuer sind die jährlichen Genehmigungen des Betriebs der privaten Schule durch die staatlichen Organisationen. Da fallen mehrere Hundert Euro im Jahr an. Ein interessantes Gespräch mit Marieke und Hendrikje. Es hilft uns, wenn wir uns unterrichten, sicherer bei der Unterstützung von APEM zu fühlen. Ob sich die hehren Ziele von Friendshifts wirklich so umsetzen lassen, werden wir sehen. Wir verlassen die nette Strandbar. Ein schönes, sicheres, Strandgelände, von Palmen und einer Lagune umsäumt, mit toller Aussicht auf den Golf von Benin. Hier kann man durchaus nochmal hin.

 

Den Abend lassen wir locker am Pool des Hotels ausklingen. Die Brise vom Meer lässt die 30 Grad nach Sonnenuntergang aushalten. Der Sonntag kann kommen.