Heute früh nach der Dusche habe ich mich gemütlich ab 7:00 Uhr auf eine Bank am Pool gesetzt. Morgens ist es von der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit noch gut auszuhalten in der aufgehenden Sonne. Leichte Brise vom Meer. Herrlich. Ein kleines Mädchen, noch keine 3 Jahre, gesellt sich neugierig zu mir. Ihre Mutter fegt derweil die Blätter auf den Wegen weg. Die niedliche Kleine fasst immer wieder meine weiße Haut an. Auch die Haare sind interessant. So ein Weißer ist schon komisch! Nach dem überraschend direkt kompletten Frühstück holt uns Salifou ab.
Heute sind wir in einem Vorort von Lomé, in Madjikpeto, zum Besuch des Schulkomplexes eingeladen, den wir schon seit über 15 Jahren unterstützen. Aimé kommt aus diesem Ort. Die Schule dort ist uns ans Herz gewachsen, da wir hier wunderbar erleben können, wie unsere Hilfe wirkt. Die Schule besteht aus zwei Schulstandorten. Der eine Schulkomplex besteht aus dem A- bis C-Zug der Grundschule, der Realschule, dem Kindergarten und auf der anderen Straßenseite der Schulkomplex aus dem D- und E-Zug der Grundschule. Eine riesige Schule. Mit den Kindergartenkindern 4.500 Schüler. Wir besuchen mit der Direktorin zunächst den D- und E-Zug jenseits der Hauptstraße. Das Dorfkomitee hatte durchgesetzt, dass die Erweiterung der Schule auf einem Grundstück jenseits der vielbefahrenen Nationalstraße, die Madjikpeto teilt, errichtet wird. Das Grundstück hat der Ort dem Staat kostenfrei zur Verfügung gestellt. Daraufhin hat der Staat die neuen Gebäude errichten lassen, wobei nur eines aus Stein gebaut ist. Die anderen 2 Klassen sind noch „traditionell“ gebaut und hier lernen die Kinder unter Palmdächern. Der Staat bezahlt die Lehrer. Jeder Grundschul-Zug besteht aus 6 Klassen, den Klassen 1 bis 6. Der D-Zug hat in den 6 Klassen zusammen 549 Kinder. Der im Jahr 2025 dazugekommene E-Zug bereits 308 Kinder. Für jede Klasse gibt es eine Lehrkraft, wobei im D-Zug eine Lehrkraft fehlt und der E-Zug erst 4 Lehrer hat. Von den 857 Schülern in den beiden Zügen sind 466 Mädchen und 391 Jungs. 230 Schüler werden im festen Gebäude unterrichtet. Die Togo-Hilfe und weitere Spender aus dem Umfeld der Togo-Hilfe haben zusätzliche Schulbänke gestiftet, die überreicht werden. Jede neue Schulbank, vom Schreiner in Togo vor Ort gefertigt, kostet 47,33 €. Ein weiterer Spender hat bereits 600 Steine für einen Steinbau gestiftet. Die Steine dienen übergangsweise als Bänke und Tische, denn nur zwei Drittel der Schüler haben tatsächlich einen richtigen Sitzplatz in den Klassen. Statt zu zweit müssen sie sich zu dritt in die Bänke zwängen, oder auch auf den Steinen sitzen. Ein Stein = Sitz. Zwei Steine = Tisch. Für uns in Deutschland undenkbar. Außerdem sind die Klassenfrequenzen für uns jenseits jeglicher Vorstellung. 124 Kinder sind es in der 2. Klasse. 131 in der 3. Klasse.
Wir fahren zum weiteren Schulkomplex und schauen uns auch dort die Schulkassen und die Kindergartenklassen an. Überall werden wir mit großer Freude und Liedern empfangen. Die Freude der Kinder beim Singen und Tanzen ist spürbar. 1719 Kinder werden in den 3 Zügen in 19 Klassen beschult. Alles eng auf eng. Das von der Togo-Hilfe vor Jahren errichtete Steingebäude mit 3 Klassen steht natürlich immer noch. Auch weitere Hilfsorganisationen haben sich in Madjikpeto engagiert. Am Grundstein der Togo-Hilfe überreichen wir dem Direktor des A- bis C-Zuges den Togo-Kalender 2026. Togo-Hilfe hat die Schule noch als alte Busch-Schule unterstützt und u.a. durch Steingebäude, Toilettenanlage, Bänke, Fußbälle, Trikots, Computer, Drucker, mobile Tafeln, Verbandsmittel das ein oder andere Gute getan. Wie erfolgreich die Beschulung hier ist, zeigt die enorme Zahl der Schüler. Jeder Schüler in der Schule hat zumindest die Chance auf Bildung und später einen adäquaten Beruf. Die Direktorin der Realschule, die nächstes Jahr in den Ruhestand geht, zeigt uns stolz den Realschulkomplex mit 1525 Schülern, darunter 698 Jungs und 827 Mädchen. Auch hier übergeben wir 11 neue Schulbänke. Die von der Togo-Hilfe für die inzwischen annähernd 3.200 Schüler und Kindergartenkinder am „Altstandort“ errichtete Toilettenanlage muss dringend erweitert werden. Die wenigen Toiletten reichen absolut nicht aus. Vom Verein Hilfe für Togo wird daher gerade eine weitere Toilettenanlage errichtet. Die Kinder wollen uns nicht gehen lassen und umzingeln bei der Verabschiedung unseren Bus. Noch eine Hand schütteln, noch einmal abklatschen, noch einmal winken – bei tausenden von Schülern gar nicht so einfach. Wir „flüchten“ in den Bus, sind emotional tief berührt und winken den Kindern, die den Bus begleiten, nochmal zu.
Es geht weiter zu Aimé nach Hause, der uns zum traditionellen Essen in sein Haus eingeladen hat. Seine Frau Francoise begrüßt uns am Eingang. Auch wir freuen uns sie wieder zu sehen. Francoise ist Schneiderin und bietet in einem umgebauten halben Schiffscontainer ihre Dienstleistungen, aber auch – Dank dem Kühlschrank – kalte Getränke an. Francoise und ihre Hilfe haben ein leckeres afrikanisches Essen vorbereitet. Hühnchen, Reis, Couscous, Kochbanane. Erdnuss-, Sesam-, Gemüse- und Tomatensauce, scharfe Sauce, Bohnenteigkugeln, Süßkartoffel, Yamsfritten und Obst. Alles sehr, sehr lecker. Für Aimé hatten Michael und ich ein paar Dosen Bitburger-Pils aus Deutschland im Koffer mitgebracht. Meine Dosen sind heil geblieben (man achte auf das Wort „meine“!). Aimé und seine Freunde Ramses – ein Theaterschauspieler auch mit Engagements in Deutschland, Ali - ehemaliger Lehrer u.a. in der Schule Dr. Gover, Felix – ein Englischlehrer und noch ein Freund, lassen sich das Bitburger schmecken. Wir kommen dabei auch auf das Pfandsystem in Deutschland zu sprechen, was sicherlich auch in Togo so manchen Müllberg am Straßenrand minimieren könnte. Francoise hat auch Bisap (Hibiskusblütensaft), Ananassaft, Orangensaft und Ingwersaft aufgetischt. Wir lassen es uns gut gehen.
Am Nachmittag fährt uns Salifou zurück ins Hotel. Heute ist tatsächlich mal Zeit für den Pool. Das Tagebuch schreiben und dann die Erfrischung nutzen - herrlich! Naja, Erfrischung – fast Badewannentemperatur im Pool. Tut trotzdem gut. Jeanette Müller übernachtet auch im Hotel. Sie wird uns morgen begleiten. Abends sitzen wir zusammen und unterhalten uns über die Hilfsprojekte. Ein interessanter Austausch.









