Es war wieder eine ruhige und erholsame Nacht. Erstaunlich wie müde die Sonne des Tages einen am Abend macht. Kaum liegt der Kopf auf dem - mitgebrachten -Schmusekissen schon kommen die schönsten Träume. Nach der Dusche und vor dem Frühstück noch schnell die erste Bürostunde unter Palmen am Pool. Gestern Abend fiel noch eine Kokosnuss aus 10 Metern Höhe nur einen Meter hinter Michaels Stuhl – also Vorsicht bei der Sitzplatzwahl. Zum Glück hatte ich beim Blick nach oben den Tisch noch was verschoben. In Afrika ist die Todesursache „Kokosnuss“ nicht ungewöhnlich. Wir frühstücken mit Jeanette – eine weitere Herausforderung für das Personal. Plötzlich sechs statt fünf. Wir fliegen erst am Samstag, jedoch Silvia und Klaus um kurz nach Mitternacht und wir um kurz vor Mitternacht. Silvia bekommt den Rückflug mit Air France bestätigt und auch der Shuttle vom Hotel zum Flughafen soll am Freitag Abend klappen.
Um 10:20 Uhr brechen wir nach Dévikinmé auf. Es sind nur knapp 20 Minuten auf der Küstenstraße Richtung Benin. Der letzte Kilometer über die Sandpiste kostet immer die meiste Zeit und Konzentration. Schön aufpassen, dass der Kopf bei den Schlägen im Auto nicht gegen den Nachbarn oder die Scheiben schlägt. Wir erreichen das Ausbildungszentrum von Dévikinmé, das vom Verein „Komm Togo geh weiter (KTgW)“ errichtet wurde. Die Togo-Hilfe Rheinbach hat ein integriertes Mädcheninternat beigesteuert, damit gerade Mädchen sicher ausgebildet werden können. Leider sind während der Bauphase, auch durch Corona und der Einführung eines Mindestlohnes in Togo, die Baukosten deutlich gestiegen, so dass das von der Togohilfe avisierte Budget nach und nach mehr als verdoppelt werden musste. Das hat weh getan und andere wichtige Projekte nach hinten geschoben. Die Mittel der Togohilfe Rheinbach sind durch die Abhängigkeit von eingehenden Spenden begrenzt. Blaise, der Chef von KTgW begrüßt uns. Die Ausbildung am Standort Dévikinmé hat begonnen. Wir sehen nur drei Personen im Informatik-Raum. Eigentlich sollen es in dem Bereich 13 Auszubildende sein. Die fehlenden zehn sind, im dualen Ausbildungsabschnitt, beim Lovelight Cooperation House, einer Computerschule in Lomé. Weitere jeweils duale Ausbildungsmöglichkeiten sind neben angewandter Informatik noch erneuerbare Energien (Solar, Biogas, Windrad), Lebensmittelverarbeitung, Mechatronik und neu dazugekommen Bauwesen. Eine modulare Ausbildung hat, so Blaise, für 100 Frauen im Bereich der Bio-Landwirtschaft stattgefunden. Wir sind vor allem an „unserem“ Mädcheninternat interessiert. 2023 hatten wir zu Ostern hier das Richtfest gefeiert. Unser Mädcheninternat ist immer noch nicht bezogen. Ein Trakt mit 6 Zimmern für je 4 Mädchen, Duschen und WC (auch behindertengerecht) ist inzwischen fertig gestellt und auch mit Betten, Schränken, Tischen und Stühlen ausgestattet. Toni – unsere dt./togoische Handwerker-Allzweckwaffe aus München – hat hier zur Fertigstellung große Verdienste im Sanitärbereich erworben. Die gespendeten Fliesen und vergünstigt erhaltenen Ausstattungen sind von ihm mit eingebaut worden. Ein zweiter Trakt für weitere 24 Mädchen wird von einer Schweizer Hilfsorganisation finanziert. Später kann noch ein Obergeschoss dazu kommen. Die Vorbereitungen sind getroffen. Laut Blaise haben sich bereits 9 Frauen für die Unterbringung während der Ausbildung ab März 2026 im Internat angemeldet. Gestartet wird mit 12 Mädchen. Zwei Angestellte von KTgW werden die Mädchen begleiten und dort ebenfalls wohnen. Es sind eine 35jährige Sozialarbeiterin und eine 27jährige Personalsachbearbeiterin.
Michael hat eine Überraschung parat. Er hat in Rheinbach Edelstahlplaketten anfertigen lassen – mit dem Logo der Togo-Hilfe Rheinbach und unseren Vornamen. Eine Spende der Rheinbacher Firma Rhein-Blech. Sie sind toll geworden und werden von Toni an den Türen der sechs fertigen Zimmer angeschraubt. Danach lässt Michael die Korken knallen um den Abschluss der wesentlichen Teile der Maßnahme der Togo-Hilfe Rheinbach mit dem Mädcheninternat im Ausbildungszentrum würdig zu begehen. Hoffentlich hat das Mädcheninternat mehr Qualität als der Sekt! Kann aber auch an der Temperatur liegen. Die Überraschung ist gelungen. Die Togo-Hilfe kann sich jetzt wieder mehr kleineren Projekten widmen. Blaise dankt Michael für die Idee und die Umsetzung eines Mädcheninternats im Ausbildungszentrum Dévikinmé. Das Internat wird gute Dienste leisten und vor allem Frauen das sichere Erlernen eines Zukunftsberufes ermöglichen. Wir verabschieden uns und sind gespannt, wie das Jahr 2026 für das Ausbildungszentrum mit unserem Internat für Mädchen laufen wird. Die größte Investition der Togo-Hilfe, durch die Anschubfinanzierung einer leider inzwischen verstorbenen älteren Dame aus Rheinbach ermöglicht, kann nun in Funktion gehen. Hilfe zur Selbsthilfe.
Das Mittagessen nehmen wir auf der Dachterrasse vom Hotel Alize-Plage ein. Das wird sicherlich das Hotel für die Unterkunft in Lomé bei der nächsten Togo-Tour 2026 werden. Es ist klein, aber fein. Familiär von Frauen geführt. Nettes und aufmerksames Personal. Und die Anlage ist in einem sauberen Zustand. Wir genießen beim Mittagessen den Blick auf den Golf von Benin. Unzählige Schiffe warten auf die Einfahrt in den Tiefseehafen von Lomé. Die frische Meeresbrise tut gut. Egal ob Pizza, Nudeln, Lamm oder Fischsuppe – alles schmeckt!
Der Nachmittag wird zum Erholen genutzt. Muss auch mal sein! Der Pool lädt zur leichten Erfrischung ein – der Strand zum hier ungefährlichen Spaziergang. Herrlich! Michael prüft derweil die Augen von Salifou und Aimé um ihnen angepasste Brillen zu fertigen. Das Personal vom Hotel Novela Star staunt, was da auf der Wiese unter den Kokospalmen passiert.
Auch der Abend klingt locker aus. Es gibt immer so viel vom Erlebten zu erzählen. Außerdem werden wir stets früh müde. So ein Tag mit viel Hitze und tausenden von Eindrücken schafft einen. Das will verarbeitet werden. Gute Nacht!






